Samstag, 1. September 2012

Unser Ziel: Der Grand Canyon


Da wir heute eine lange Strecke vor uns hatten, ging es wieder früh raus. Bei strahlend blauem Himmel gelangten wir als zweiter RV um punkt 08.00 Uhr (gerade als die Zeit begann, dass RV’s durchgelassen wurden) zum Eingang des Tunnels. Denn, da wir so breit waren, musste für uns extra der Tunnel einseitig gesperrt werden und die Herrschaften vor uns und wir natürlich folgten aufmerksam den Anweisungen des Rangers, der uns die Richtung wies. Nach dem ersten folgte noch ein zweiter Tunnel, den wir allerdings ohne größere Umstände, auf unserer Seite durchfahren konnten. Das nächste Highlight waren die „Bighorn“ – Schafe, die links an der Felswand an Büschen nagten. Ein Widder bewegte sich flemend auf eine der Weibchen zu, während sich vom Hang herab gemächlich ein zweiter Widder näherte. 


Hannes meinte, es käme zum Kampf; Mama meinte, der Widder hätte anderes im Sinn. Es kam jedoch zu keiner Interaktion, da der Rivale Abstand hielt und die offensichtlich nicht paarungsbereite Dame zickig war. Nach einer Weile Fahrt mit noch mehr Fels vor dem Fenster stolperten wir über einen Aussichtspunkt, vor dem sich bestimmt 15 Motorräder drapiert hatten und mit ihnen mindestens ebenso viele, wenn nicht sogar mehr, Harley Davidson Fans Schweitzer Ursprungs. Eine ganze Zeit später erreichten wir Marble Canyon, wo es neben bizarren Steinstapelungen auch kleine Steinhütten zu begucken gab. 

Das nächste sehenswerte Ereignis war auch ein sehr praktisches: die 1928 fertig gestellte und 834 Feet lange Navajobridge, die in 467 Feet Höhe über den Colorado führt.  
Unsere Fahrt führte uns weiter über Flagstaff, wo wir Lebensmittel und Benzin und nach langer Suche auch eine Bank of America fanden, weiter entlang des Highways mitten durch die Graslands.  Schön war sie – die Prärie. Alles war – wunderbar. Da sagte die freundliche Radiomoderatorin, dass es für Flagstaff und Umgebung eine Hurrican – Warnung gab, der sich unter Umständen zu einem Tornado entwickeln könnte. Als wir aus dem Mobilfensterchen sahen, konnten wir die Berge nicht mehr erkennen, so sehr regnete und stürmte es am Horizont. 


Deswegen konnten wir auch nicht die kürzeste Strecke über Cameron in den Grand Canyon nehmen, sondern mussten 200 km (!!!) außen herum fahren, um dem „Stürmchen“ auszuweichen, sonst wären wir in das Auge des Tornados gefahren. Das zeigte sich auch bei den Radiosendern, man konnte nirgendwo mehr Musik empfangen, da überall über den Tornado berichtet wurde. Es war wie im Fernsehen – bloß live. Aber der Umweg bescherte uns auch ein weiteres Highlight. Vom Mobilchen aus konnten wir eine Menge Pferde und Cowboyhüte entdecken, da musste natürlich angehalten werden. Es war – vielleicht wegen des Labor Day – Wochenendes – eine Art Wettkampf, bei dem immer 2 Cowboys auf je einem Pferd ein Bullenkälbchen einmal mit einem Lasso um die Hörnchen und einmal mit einem um die Hinterbeine in einer bestimmten Zeit einfangen mussten. Je schneller, desto besser. 


Dies wurde dann von einer Dame mit Mikro kommentiert. Die Kälbchen kannten das Spiel schon, nachdem sie sich wieder entheddert hatten, trotteten sie in eine bestimmte Richtung und in einen dafür abgezäunten Bereich, in dem schon die anderen auf ihren Einsatz warteten. Wenigstens hatten alle Tiere eine Art Kopfschutz, dennoch sah das – manchmal durch das Ungeschick der Cowboys mit dem Lasso – Einfangen manchmal sehr unangenehm aus. Am Mobilchen warteten dann Ziesel auf uns, die ihren Kopf aus den Sandlöchern streckten und uns gebannt hinterher starrten.


Zum Glück kamen wir unbeschadet in den Park und fanden unseren Campground Trailer Village, wunderschön am Ende einer Stellplatzreihe gelegen, nur leider ohne I-Net und 0 Handyempfang (was an jeder Stelle des Nationalparks auch so bleiben sollte). Um den Resttag noch zu nutzen, versuchten wir – mal wieder zu Fuß – ins Visitor Center zu gelangen. Leider liefen wir in die falsche Richtung und gelangten zum Market Plaza, von wo aus wir dann mit dem Bus erwartungsvoll – v.a. Jule, die sich auf Gratisbroschüren freute – zum Visitor Center fuhren. Trotz Schild, was vor der Tür des Visitor Centers auf dessen Eingang hinwies, konnten wir noch so lange an der Tür ziehen – es hatte fünf Minuten zuvor zu gemacht! Na dann eben nicht, gehen wir halt in den Books & More, wo es ja eben Bücher und noch mehr (meist teure Esotherik – CDs) gab. Aber wir fanden auch noch einen Platz, wo sich alle versammelten, die eigentlich auch ins Visitor Center gewollt hatten: den Mather Point, von wo aus, gesetzt dem Fall man drückte im richtigen Moment ab, bevor einem noch ein Touri vor die Linse lief, ein schönes Bild mit Canyon im Hintergrund schießen konnte. „Drück ab Papa, morgen regnets vielleicht!“


Auch den Weg zum Campground erkundeten wir im Halbdunkeln, dafür sahen wir aber noch ein Mule Deer, das wir Hirsch Heinrich tauften und zwei Kaninchen, die Hannes, weil Papa nicht rechtzeitig abdrückte, im Busch verfolgte, bis er es endlich leidlich abgelichtet hatte. Der fortgeschrittene Abend endete mit einem bereits vorgegrillten Hühnchen nebst Kartoffeln und Sour Cream und einem am Tisch einnickenden Papa, den auch die witzigen Dialoge der ALF – Folge nicht mehr wachhalten konnten.

1 Kommentar:

  1. Die arme Julia scheint geschwächt. Muss sich auf den Fotos immer irgendwo festhalten: an Jana, Johannes oder einem wehrlosen Felsen...

    Liebe Grüße aus Berlin & danke für die großartige Berichterstattung!
    Der Onkel

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