Mittwoch, 5. September 2012

Chaoscampen PUR!


Bei strahlend blauem Himmel hatten wir genau das richtige Wetter für unser Vorhaben: den Antelope Canyon. Nach dem Frühstück mit Hörnchenbeobachtung und ohne Wespen, einem Chat nach Hause, Postkarten schreiben und ein wenig in der Sonne brutzeln schwangen wir uns ins Mobilchen und düsten zum Reservat der Navajo – Indianer, die die Touren anboten. Einem fremden Fahrzeug war es untersagt zum Canyon zu fahren und man bezahlte noch 6 $ Parkfee. Hannes und Jule fragten erstmal nach, wann und ob die nächste Tour startete, denn gerade vor uns hatte man einen Bus mit etlichen Asiaten ausgekippt, die man auch prompt auf zwei Jeeps quetschte. Angeblich war unsere (vom Sommer 2012 stammende!!!) Zeitschrift alt und die Preise, wonach man  40 $ für die 09.00 und 10.00 Uhr Tour und 25 $ für die 11 & 12 Uhr Tour zahlen sollte, hatten sich „plötzlich“ vertauscht, weil es „so beliebt“ war. Naja, da muss er wohl durch - der Lurch! J Wir hatten keine andere Wahl, da die Nachmittagstouren als die angeblich am häufigsten von „floods“ betroffenen galten. Also bezahlten wir das Sümmchen, bekamen einen Zettel mit der Zahl 70 und wurden 20 Minuten später wie bei einer Versteigerung aufgerufen und auf die Jeeps verfrachtet. Unser Navajo – Guide stellte sich uns als „Domenique“ vor, der in seiner recht rundlichen Form, dem Metalshirt, den schwarzen Kopf – und Halstüchern und der Sonnenbrille eher wie ein Harley Davidson – Fahrer aussah.

Es wurde eine lustige, rumpelige Fahrt – ohne Anschnallgurte durch den brennend heißen Wüstensand. Als wir an dem eigentlichen Canyon ankamen, standen vor diesem schon extrem viele Jeeps, was schon auf die „Füllung“ des Antelope Canyons schließen ließ. Es war schlimmer als in jeder Sardinendose! Massentourismus vom feinsten! Unser „Dom“ gab sich größte Mühe uns hübsche Photomotive zu zeigen, den Weg für Schnappschüsse freizuboxen, selbst das Photo zu schießen – da er dafür einfach das geübtere Auge hatte und uns mit Scherzen – wie die anderen Touris mit wildem Kriegsgeheul zu erschrecken – aufzumuntern, während er uns durch den sehenswerten (nur die Touris störten) Canyon leitete. Platzangst hätte man hier nicht haben dürfen und wir stellten fest, dass selbst die Leute, die für 80 $ eine Phototour gebucht hatten, vermutlich mehr unrasierte Touristenbeine auf den Photos hatten, als die malerisch erleuchteten Wände des Canyon. 

Als wir durch waren erklärte uns „Dom“ noch das Prinzip des Canyons und warum dort solche Wassermassen durchflossen, indem er es mit einem Stöckchen in den Sand malte. Er selbst sei mal in solch eine Situation geraten und er und seine zwei Mitstreiter seien einfach ins Wasser gesprungen, nur, dass die anderen beiden dünn waren und er eher dick, sodass er sich nur mit Mühe durch den Felsen manövrieren konnte. Wir schlängelten uns wieder durch die Felsspalten, an den anderen Touris entlang und hatten am Ende sogar das Glück ein ansonsten menschenfreies Familienbild zu machen.

Dann ging es wieder holterdipolter (nix für Leute mit Rückenproblemen und wer noch keinen Bandscheibenvorfall hatte, der kann sich hier einen abholen) durch den Wüstensand, während wir diesmal den Jeep hinter uns einstaubten. Wir spülten den Staub mit einem wunderbar künstlichen bunten Wassereis am Stiel herunter. Weiter geht’s auf unserer Reise. Der nächste Stop wurde am Lone Rock Beach gemacht, wo wir ein Bad im lauwarmen Lake Powell nahmen. 


Dabei sahen wir uns sowohl die Boote als auch deren Besitzer an, die mit ihren Wohnmobilen wie in fahrbaren Häusern am Strand wohnten und am Ufer ihre Teppiche ausgerollt hatten. Das Mittagessen (Instantnudeln mit Hühnergeschmack) war so heiß, dass wir eigentlich gleich wieder hätten ins Wasser springen können. Das war im ohnehin schon glühend heißen Mobil eher kontraproduktiv. Weiter ging’s an roten Felsen, Steppe und Angusrindern vorbei in Richtung Bryce Canyon. Während Papa fortfuhr Ford zu fahren, kümmerten sich diesmal Hannes und Mama um den Blog, während Jule zusammengerollt auf einer Rückbank ein Nickerchen hielt. Plötzlich wurde es unrhythmisch im Mobil, alles schepperte und ruckelten. Wir schienen nicht mehr auf der normalen Straße zu sein. Aber da das eine vom Navi vorgeschlagene Route war (und dem Navi "Aiche" mehr Glauben geschenkt wurde als der skeptischen Mama und Jule) und uns den langen Weg drumherum ersparen sollte, nahmen wir die Ruckeleien eine kurze Zeit in Kauf. Das erste verdächtige Zeichen, das uns hätte warnen sollen, war das erschrockene Gesicht der Beifahrerin des Jeeps, der uns in einer scharfen Kurve entgegenkam. Nach einer ganzen Weile war plötzlich Ende im Gelände – Weg war weg. Ein wohl ehemals durch das trockene Flussbett strömende Fluss hatte 20 m Straße vor uns für ein Wohnmobil unbefahrbar gemacht. Nun mussten wir aber irgendwo wenden, das war gar nicht so einfach. Es bedurfte einiger schweißtreibenden Grabearbeit, wobei wir zwei Skorpione

und ein Maulwurfsgrillen ähnliches Vieh freilegten, um das Mobil zu wenden. Auch danach war es kein Zuckerschlecken und wir gruben und gruben, in der Hoffnung der Weg sei bald besser und dass uns die Teerstraße von weitem winken würde. Irgendwann war es vollbracht und wir hatten es im Sonnenuntergang noch rechtzeitig auf eine befestigte Straße geschafft. Nach dem erforderlichen Tankstopp, fuhren wir durch Kanab unserem Campground entgegen. Als wir gegen 21Uhr ankamen, war die Rezeption nicht mehr besetzt, aber ein freundlicher Zettel mit dem Namen Teubner verwies uns auf Platz 5. Hier parkten wir neben unfreundlichen deutschen Nachbarn ein und stellten fest, dass es wieder keinen Handyempfang, aber kostenloses WIFI und schöne Duschen gab. Die Jugend war hoch erfreut. Nachdem wir uns den Staub vom Buddeln abgeduscht hatten, gab es mit Rindfleisch, Tomate, Gurke und Zwiebeln gefüllte Tortillias. Danach sanken alle schwer erschöpft in die Betten.

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