Samstag, 8. September 2012

Bank of America?


Als wir die Augen aufschlugen war es draußen noch dunkel. Als erstes wurden wir etwas schadenfroh von unserer inneren Oberschenkelmuskulatur begrüßt. Hannes‘ Handy spielte als Weckruf „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ ein! Mama dachte an die von Jule geschenkte und nun auf dem Schreibtischen stehende Postkarte mit der Aufschrift: „Pfeif auf den Prinzen, ich nehm den Gaul“! Das war gestern. Heute und in Zukunft würde Mama auf jeden Fall lieber den Prinzen nehmen. Ächzend quälten wir uns aus den Betten zur Morgen-Toilette und verließen den Zeltplatz bei Sonnenaufgang in Richtung Salt Lake City. Während Jule wieder ins Bett der Alten kroch, sorgten die anderen 3 für einen vollen Tank in Panguitch und lichteten Präriehunde und Gabelböcke ab. Dann zelebrierten wir das bereits eingeübte, zwar verboten aber lustige Geschicklichkeitsspiel „Frühstück bei voller Ford-Fahrt“ oder wie schafft man es, Toast in der Pfanne, Pfanne auf dem Herd, Kaffee in der Kanne, Kanne auf dem Bord zu halten und aus dem Kühlschrank nur die für das Frühstück benötigten Utensilien flutschen zu lassen?! Alles klappte ohne größere Verluste und Mama servierte im Cockpit und in der ersten Klasse (2. Klasse gibt es hier nicht ^^).
Gegen 13.00 Uhr erreichten wir Salt Lake City und unseren fantastischen KOA – Kampground mit großem Pool (und Whirlpool!!!), kostenlosem WiFi, Strom, Wasser (allerdings mit sehr hohem Druck, sodass es eigentlich nicht nutzbar war), Duschen und Mülltrennung mit guten Vorsätzen (Aluminium mit Papier, Plaste mit Papier, Aluminium mit Plaste…) J. Erstmal anmelden und Infos erhalten wie wir in die Stadt kommen und wo sich dringenderweise eine Bank of America befände. Laut Rezeption gab es die nächste erst in Idaho (???). Mal Googlemaps befragen! Das heilige Googlemaps fand für uns eine BOA ;), allerdings recht weit weg vom Zentrum. Nach den restlichen Nudeln meldeten wir uns bei den Damen von der Rezeption zum Shuttlebus an. Dieser war kostenlos und wurde von den ortsansässigen Mormonen angeboten, allerdings nur im Zusammenhang mit einer 30 – minütigen Führung. Zusammen mit 15 Dänen / Norwegern warteten wir auf das Shuttle und kamen in den ersten Bus hinein. Der Van – Driver simste, dass vier Deutsche dabei seien, damit wir eine deutsche Führung bekämen. Am Temple Square, dem Mittelpunkt von Salt Lake City, wo der legendäre Brigham Young einst gesagt hatte: „Das ist der Ort.“ und wums, schon musste da gesiedelt werden. Am Tor erwarteten uns  nicht nur eine Menge Japaner sondern auch zwei „Schwestern“ (die traten hier nur in Zweiergruppen auf, immer junge Frauen aus allerlei Ländern: Israel, Brasilien, Japan, Frankreich, Italien, Australien, Amerika etc.): Sister Karberry und Sister K.Kim. Erst erzählte uns Sister Karberry (deren Ursprung Melbourne, Australien war und deren Familie in Berlin wohnte, Papa Deutschlehrer) etwas im und über das Tabernacle (1867), in dem eine Wahnsinnsakustik herrschte, mit Pinienholz ausgestattet, welches wie Eiche bzw. Marmor angemalt war und in dem der 300 Sänger starke Mormonentabernakelchor mit einem 120 köpfigen Orchester zusammen musiziert und von 11623 Orgelpfeifen (zwölftgrößte Orgel der Welt) begleitet wird. 

Danach waren wir in einem historischen kleinen Gebäude, in dem die ehemaligen Gottesdienste stattfanden, nun kleine Konzerten diente und welches aus den Resten des Tabernacles erbaut wurde. Der ganze Komplex wurde aus Granitsteinen aus dem benachbarten Canyon erbaut, wobei ein Arbeiter mehr als 2 Wochen an einem kleinen Stein arbeitete. Dies und noch mehr erklärte uns Sister Karberry (Sister Kim lernte wohl noch und lief nur hinter uns her) im South Visitor Center, in dem auch die Bedeutung der Familie für die Mormonen in Form von Videos, Bildern, Gemälden und Tafeln erklärt wurde. Hier konnte man auch eine Nachbildung des Tempels betrachten, in das die Touristen nicht hinein durften und in dem es 138 Zimmer mit unterschiedlichen Funktionen zu bestaunen gab, in denen geheiratet und gebetet wurde, Versammlungen der lebenden zwölf Apostel und des lebenden Propheten und Taufen stattfanden. Hier überließen die beiden uns unserem Schicksal, nicht ohne uns zuvor dezent die Kontaktadresse von deutschen Mormonenzentren in Form einer Karte zuzustecken. Nachdem wir noch einmal alle möglichen Familiennamen in die Familysearch.org eingegeben hatten, um zu sehen, ob ein paar Verwandte vielleicht nach Amerika ausgewandert waren (und fündig wurden), machten wir uns aus dem Staub. Als erstes betrachteten wir uns das City Creek Center, in dem es neben vielen Läden (auch ein H&M!^^) auch Wasserfontänen und einen Fluss gab, der durch das Einkaufszentrum floss. 

Da ein wenig Verwirrung aufgrund der Karte herrschte, versuchten wir es erst einmal im Visitor Center, in dem uns die Dame freundlich beschrieb wie wir mit der Stadtbahn in dem kostenlosen Bereich bis zur Bank of America kamen und erzählte uns zudem auch gleich, dass sie (wie wohl viele Amerikaner) auch schon mal in Berlin war, aber BEVOR die Mauer gefallen war – 1966. Also auf in die Green oder Blue Line und dann am Courthouse in die die Red Line umsteigen, so sahen wir auch noch was von der Stadt und waren schneller. Das letzte Stück, welches nicht kostenfrei war, mussten wir laufen. Doch nach 20 Minuten hatten wir das ehemalige Zentrum am Trolley Square erreicht. Hier waren schon viele Geschäfte geschlossen, da es sich bestimmt nicht mehr lohnt, aber es gab noch einen Tierladen, einen Scherzartikelladen (à la Fred und George Weasley, wurde auch von zwei solchen Typen betrieben), ein Kinderzimmereinrichtungsgeschäft und natürlich unseren ATM der Bank of America. Dieser spuckte auch mit ein paar Überredungskünsten Geld aus. Nebenan gab es noch einen Whole Food Market, also ein Bioladen in der Größe einer Mall, in dem es richtig teuer war. Aber einmal gesehen reichte auch. Auf unserem Rückweg kauften wir uns einen Liter Strawberry – Eis bei Baskin Robbins (dem Il Gelato der Staaten und vom Lonely Planet empfohlen) und löffelten dies im Laufen aus J! Einen normalen Supermarkt fanden wir dann auch noch und Hannes probierte das „wahre“ McDoof der USA aus: Wendy’s, wo alles nur 99Ct kostete. Zurück ging es schneller und die restlichen Minuten (wir hatten auch schon diverse Monumente und hübsche Häuser gesehen) verbrachten wir im City Creek Center, da es sehr dicht am Temple Square lag. Eine halbe Stunde zu früh fanden wir uns wieder an der Shuttlehaltestelle ein und düsten mit dem letzten Shuttle zum KOA Campground, dabei versuchte Jule einen „Wie hat es Ihnen gefallen?“ - Mormonen – Fragebogen auszufüllen. Am Kampground angekommen (in der Nähe lief ein griechisches Festival, das eher einem Jahrmarkt glich und eine enorme Lautstärke ausstrahlte) hüpfte Hannes, Jule und Papa in den Pool und dann in den warmen Whirlpool, denn abends war es doch schon ganz schön frisch. Während dessen schnipselte Mama das Inlay für die letzten Taccos. Eine letzte Aufgabe stand noch an: Flugplätze buchen, damit wir diesmal sicher ohne Stehplätze nach Hause kommen! Nach ewigem Suchen und Codes eingeben fanden wir noch ein paar Sitzplätze, wobei wir auf dem Inlandflug gerade noch zusammenhängende Flüge ergatterten, auf dem Überseeflug (wieder mit einer kleineren Maschine als beim Inlandsflug!) gab es nur noch mittlere Plätze. Na das wird wieder ein Spaß, da fliegen wir 8-10 Stunden und in der Mitte schläft es sich so schlecht L! Apropos schlafen: Gute Nacht!

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