Als wir die
Augen aufschlugen war es draußen noch dunkel. Als erstes wurden wir etwas
schadenfroh von unserer inneren Oberschenkelmuskulatur begrüßt. Hannes‘ Handy
spielte als Weckruf „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ ein! Mama dachte an die von
Jule geschenkte und nun auf dem Schreibtischen stehende Postkarte mit der
Aufschrift: „Pfeif auf den Prinzen, ich nehm den Gaul“! Das war gestern. Heute
und in Zukunft würde Mama auf jeden Fall lieber den Prinzen nehmen. Ächzend
quälten wir uns aus den Betten zur Morgen-Toilette und verließen den Zeltplatz
bei Sonnenaufgang in Richtung Salt Lake City. Während Jule wieder ins Bett der
Alten kroch, sorgten die anderen 3 für einen vollen Tank in Panguitch und
lichteten Präriehunde und Gabelböcke ab. Dann zelebrierten wir das bereits
eingeübte, zwar verboten aber lustige Geschicklichkeitsspiel „Frühstück bei
voller Ford-Fahrt“ oder wie schafft man es, Toast in der Pfanne, Pfanne auf dem
Herd, Kaffee in der Kanne, Kanne auf dem Bord zu halten und aus dem Kühlschrank
nur die für das Frühstück benötigten Utensilien flutschen zu lassen?! Alles
klappte ohne größere Verluste und Mama servierte im Cockpit und in der ersten
Klasse (2. Klasse gibt es hier nicht ^^).
Gegen 13.00
Uhr erreichten wir Salt Lake City und unseren fantastischen KOA – Kampground
mit großem Pool (und Whirlpool!!!), kostenlosem WiFi, Strom, Wasser (allerdings
mit sehr hohem Druck, sodass es eigentlich nicht nutzbar war), Duschen und
Mülltrennung mit guten Vorsätzen (Aluminium mit Papier, Plaste mit Papier,
Aluminium mit Plaste…) J. Erstmal anmelden und Infos erhalten wie wir in die Stadt
kommen und wo sich dringenderweise eine Bank of America befände. Laut Rezeption
gab es die nächste erst in Idaho (???). Mal Googlemaps befragen! Das heilige
Googlemaps fand für uns eine BOA ;), allerdings recht weit weg vom Zentrum.
Nach den restlichen Nudeln meldeten wir uns bei den Damen von der Rezeption zum
Shuttlebus an. Dieser war kostenlos und wurde von den ortsansässigen Mormonen
angeboten, allerdings nur im Zusammenhang mit einer 30 – minütigen Führung.
Zusammen mit 15 Dänen / Norwegern warteten wir auf das Shuttle und kamen in den
ersten Bus hinein. Der Van – Driver simste, dass vier Deutsche dabei seien,
damit wir eine deutsche Führung bekämen. Am Temple Square, dem Mittelpunkt von
Salt Lake City, wo der legendäre Brigham Young einst gesagt hatte: „Das ist der
Ort.“ und wums, schon musste da gesiedelt werden. Am Tor erwarteten uns nicht nur eine Menge Japaner sondern auch
zwei „Schwestern“ (die traten hier nur in Zweiergruppen auf, immer junge Frauen
aus allerlei Ländern: Israel, Brasilien, Japan, Frankreich, Italien,
Australien, Amerika etc.): Sister Karberry und Sister K.Kim. Erst erzählte uns
Sister Karberry (deren Ursprung Melbourne, Australien war und deren Familie in
Berlin wohnte, Papa Deutschlehrer) etwas im und über das Tabernacle (1867), in
dem eine Wahnsinnsakustik herrschte, mit Pinienholz ausgestattet, welches wie
Eiche bzw. Marmor angemalt war und in dem der 300 Sänger starke Mormonentabernakelchor
mit einem 120 köpfigen Orchester zusammen musiziert und von 11623 Orgelpfeifen
(zwölftgrößte Orgel der Welt) begleitet wird.
Danach waren wir in einem
historischen kleinen Gebäude, in dem die ehemaligen Gottesdienste stattfanden, nun
kleine Konzerten diente und welches aus den Resten des Tabernacles erbaut wurde.
Der ganze Komplex wurde aus Granitsteinen aus dem benachbarten Canyon erbaut,
wobei ein Arbeiter mehr als 2 Wochen an einem kleinen Stein arbeitete. Dies und
noch mehr erklärte uns Sister Karberry (Sister Kim lernte wohl noch und lief
nur hinter uns her) im South Visitor Center, in dem auch die Bedeutung der
Familie für die Mormonen in Form von Videos, Bildern, Gemälden und Tafeln
erklärt wurde. Hier konnte man auch eine Nachbildung des Tempels betrachten, in
das die Touristen nicht hinein durften und in dem es 138 Zimmer mit
unterschiedlichen Funktionen zu bestaunen gab, in denen geheiratet und gebetet
wurde, Versammlungen der lebenden zwölf Apostel und des lebenden Propheten und Taufen
stattfanden. Hier überließen die beiden uns unserem Schicksal, nicht ohne uns
zuvor dezent die Kontaktadresse von deutschen Mormonenzentren in Form einer
Karte zuzustecken. Nachdem wir noch einmal alle möglichen Familiennamen in die
Familysearch.org eingegeben hatten, um zu sehen, ob ein paar Verwandte
vielleicht nach Amerika ausgewandert waren (und fündig wurden), machten wir uns
aus dem Staub. Als erstes betrachteten wir uns das City Creek Center, in dem es
neben vielen Läden (auch ein H&M!^^) auch Wasserfontänen und einen Fluss
gab, der durch das Einkaufszentrum floss.
Da ein wenig Verwirrung aufgrund der
Karte herrschte, versuchten wir es erst einmal im Visitor Center, in dem uns
die Dame freundlich beschrieb wie wir mit der Stadtbahn in dem kostenlosen
Bereich bis zur Bank of America kamen und erzählte uns zudem auch gleich, dass
sie (wie wohl viele Amerikaner) auch schon mal in Berlin war, aber BEVOR die
Mauer gefallen war – 1966. Also auf in die Green oder Blue Line und dann am
Courthouse in die die Red Line umsteigen, so sahen wir auch noch was von der
Stadt und waren schneller. Das letzte Stück, welches nicht kostenfrei war,
mussten wir laufen. Doch nach 20 Minuten hatten wir das ehemalige Zentrum am
Trolley Square erreicht. Hier waren schon viele Geschäfte geschlossen, da es
sich bestimmt nicht mehr lohnt, aber es gab noch einen Tierladen, einen
Scherzartikelladen (à la Fred und George Weasley, wurde auch von zwei solchen
Typen betrieben), ein Kinderzimmereinrichtungsgeschäft und natürlich unseren
ATM der Bank of America. Dieser spuckte auch mit ein paar Überredungskünsten
Geld aus. Nebenan gab es noch einen Whole Food Market, also ein Bioladen in der
Größe einer Mall, in dem es richtig teuer war. Aber einmal gesehen reichte
auch. Auf unserem Rückweg kauften wir uns einen Liter Strawberry – Eis bei
Baskin Robbins (dem Il Gelato der Staaten und vom Lonely Planet empfohlen) und
löffelten dies im Laufen aus J! Einen normalen Supermarkt fanden wir dann auch noch
und Hannes probierte das „wahre“ McDoof der USA aus: Wendy’s, wo alles nur 99Ct
kostete. Zurück ging es schneller und die restlichen Minuten (wir hatten auch
schon diverse Monumente und hübsche Häuser gesehen) verbrachten wir im City
Creek Center, da es sehr dicht am Temple Square lag. Eine halbe Stunde zu früh
fanden wir uns wieder an der Shuttlehaltestelle ein und düsten mit dem letzten
Shuttle zum KOA Campground, dabei versuchte Jule einen „Wie hat es Ihnen
gefallen?“ - Mormonen – Fragebogen auszufüllen. Am Kampground angekommen (in
der Nähe lief ein griechisches Festival, das eher einem Jahrmarkt glich und
eine enorme Lautstärke ausstrahlte) hüpfte Hannes, Jule und Papa in den Pool
und dann in den warmen Whirlpool, denn abends war es doch schon ganz schön
frisch. Während dessen schnipselte Mama das Inlay für die letzten Taccos. Eine
letzte Aufgabe stand noch an: Flugplätze buchen, damit wir diesmal sicher ohne
Stehplätze nach Hause kommen! Nach ewigem Suchen und Codes eingeben fanden wir
noch ein paar Sitzplätze, wobei wir auf dem Inlandflug gerade noch
zusammenhängende Flüge ergatterten, auf dem Überseeflug (wieder mit einer
kleineren Maschine als beim Inlandsflug!) gab es nur noch mittlere Plätze. Na
das wird wieder ein Spaß, da fliegen wir 8-10 Stunden und in der Mitte schläft
es sich so schlecht L! Apropos schlafen: Gute Nacht!
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