Donnerstag, 13. September 2012

Das schönste Blau, das ich je gesehen habe! :)


Wir wollten (wir waren extra früh aufgestanden, weil die Wildnis das ja auch macht!) Tiere sehen! Beim Frühstück schon! So machten wir uns auf den Weg in Richtung Old Faithful. Da es dieses Mal quasi „unten herum“ (also die südlichste Strecke des Parks) ging, erhofften wir uns am Yellowstone Lake einen schönen Platz zur Beobachtung und zum Frühstücken. Das war gar nicht so einfach, schließlich hielten wir dann nur an, um sechs weibliche Wapiti und einen Hirsch Heinrich J (mit großem Geweih) sowie seinen kleineren Bruder durchs Wasser schwimmen zu sehen. 


Wir frühstückten dann schon am Black Sand Basin, wo es gut schwefelig duftete. Danach ging es zum Old Faithful, dem angeblich höchsten Geysir der Welt, der einmal etwas lasch und danach noch einmal etwas höher für uns spuckte (30 – 55m laut Infotafel). 

Aber neben ihm gab es „in Teufelchens Küche“ noch ganz viele kleine, sprudelnde, köchelnde und blubbernde Geysirchen. 


Schön war auch der Morning Glory Pool, den die zahlreichen Bakterien, die die unterschiedlichen Farbschichten in solch einem Pool bestimmten, am farbenreichsten schmückten. 

Auf dem Rückweg kamen wir überpünktlich zu einem weiteren Ereignis: der Grant, der Turban und der Vent Geysir brachen gleichzeitig (nebeneinanderstehend) aus. Das war sogar beeindruckender als der Old Faithful und das Feuerwerk dauerte auch viel länger. Nachdem wir hier fast drei Stunden verbracht hatten, fuhren wir weiter mit Halt beim Biscuit Basin. Hier gab es auch allerlei Geysirchen und heiße Quellen zu besichtigen, die brodelten und dampften. Ein schöner Punkt in der Nachmittagsordnung war der Fountain Paint Pot, der weiß und schlammartig blubbernd wirklich aussah wie ein weißer Farbtopf. 

Der letzte Stopp wurde an den Firehole Falls gemacht, die sich neben der Straße völlig unscheinbar, aber sehenswert, entlangschlängelten. Nun musste Papa aufs Gas drücken, noch mit dem Schwefelgeruch in der Nase fuhren wir in Richtung Hayden Valley, um ausdauernd darauf zu hoffen dort noch etwas zu entdecken. Auf der Liste standen noch: Moose, Bär, Wolf, Baumstachler, Dachs, Weißkopfseeadler und Pika. Wieder mit weit geöffneten Augen aus dem Mobilfenster starrend (wer von draußen herein geguckt hätte, hätte uns vielleicht für ein wenig gruselig gehalten ^^) sausten wir durch die Landschaft. Im hohen vergilbten Gras nahmen wir aus den Augenwinkeln drei sich bewegende Punkte wahr. Vollbremsung und wichtige Utensilien am Interflug hindern war wieder eins. Durchs Fernglas konnten wir in der Abendsonne drei Kojoten beim „Mäuseln“ beobachten. In aller Ruhe gingen die Tiere ihrer Abendbrotsuche nach, scheinbar wohl wissend, dass sie im Nationalpark nicht geschossen werden durften. Aber leider immer noch keine Wölfe! Weiter ging’s auf der Piste. Mit leichten Halluzinationen rief Jule, durch das Fernglas starrend, plötzlich: „Da steht ein Elch!“ Also Elschalarm! Leider waren da nur ganz viele Touris und der imaginäre Elch hatte sich inzwischen verflüchtigt und entpuppte sich als Elk, was so ähnlich klingt aber leider wieder mal „nur“ ein Wapiti war . Aber wir hatten schon gelernt: Wo so viele Leute stehen, muss es was zu gucken geben! Also Fernglas schnappen und erst einmal wissend daneben stellen und auch gucken. Man weiß zwar nicht wohin und was es da gibt, aber man muss wissend aussehen, sodass einen viele Menschen aus den Autofenstern anquatschen können: „Was sehen Sie denn da?“ und man antwortet dann „Keine Ahnung, sehen Sie was?“ Schließlich wird irgendein Gesprächsfetzen von wegen „Wolf“ oder „Grizzly“ fallen und hier wandelte sich tatsächlich der „Elschalarm“ in „der Bär ist los“ um und wir konnten zwei Grizzlys an einem „Luder“ (wie Mama es nannte, für die „Nichtjagdlateinvertrauten“ unter uns: Da lag ein Kadaver rum und keine aufreizend gekleidete Dame mit zwielichten Absichten!) erkennen. 


Wahnsinn! Da hatte es doch gelohnt und wir glotzten und glotzten bis uns die Augen tränten (vor allem mit dem Zwiebelglas – ein altes Carl Zeiss Fernglas, das nicht so das allerbeste ist im Gegensatz zum neuen Fernguckglas von Frau Leica und da einem davon die „Augen zwiebeln“, wurde es nach diesem von Mama erfundenen Ausdruck umbenannt – es war deswegen auch nicht so begehrt!). Ab und zu schmulten wir noch durch eines der Spektive der freundlichen Amerikaner und konnten dem Bär quasi in die Nase schauen. Auch wurde von einem Wolf gesprochen, den wir nur erahnen konnten. Nachdem der große Grizzly den kleinen Grizzly auf die Nase gehauen und diesen vertrieben hatte, ließ er sich satt auf den Berg Fleisch sinken und schlief ein, während sich die Raben um ihn scharten. Es wurde kalt und wir fuhren ab. Als Hannes abends die Bilder sortierte, vergrößerte (denn trotz Teleobjektiv konnte man die Bären nicht gestochen scharf erkennen) er einige und stellte dabei fest, dass auf den ersten Fotos tatsächlich noch ein fetter Wolf neben den Grizzlys stand, den man aufgrund seiner dem Valleygras angepassten Fellfarbe weder durch das Zwiebelglas noch durch Frau Leica erkannt hatte. Na, der Abend hatte sich doch gelohnt!


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