Wir wollten
(wir waren extra früh aufgestanden, weil die Wildnis das ja auch macht!) Tiere
sehen! Beim Frühstück schon! So machten wir uns auf den Weg in Richtung Old
Faithful. Da es dieses Mal quasi „unten herum“ (also die südlichste Strecke des
Parks) ging, erhofften wir uns am Yellowstone Lake einen schönen Platz zur
Beobachtung und zum Frühstücken. Das war gar nicht so einfach, schließlich hielten
wir dann nur an, um sechs weibliche Wapiti und einen Hirsch Heinrich J (mit großem Geweih) sowie seinen
kleineren Bruder durchs Wasser schwimmen zu sehen.
Wir frühstückten dann schon
am Black Sand Basin, wo es gut schwefelig duftete. Danach ging es zum Old
Faithful, dem angeblich höchsten Geysir der Welt, der einmal etwas lasch und
danach noch einmal etwas höher für uns spuckte (30 – 55m laut Infotafel).
Aber
neben ihm gab es „in Teufelchens Küche“ noch ganz viele kleine, sprudelnde,
köchelnde und blubbernde Geysirchen.
Schön war auch der Morning Glory Pool, den
die zahlreichen Bakterien, die die unterschiedlichen Farbschichten in solch
einem Pool bestimmten, am farbenreichsten schmückten.
Auf dem Rückweg kamen wir überpünktlich zu
einem weiteren Ereignis: der Grant, der Turban und der Vent Geysir brachen
gleichzeitig (nebeneinanderstehend) aus. Das war sogar beeindruckender als der
Old Faithful und das Feuerwerk dauerte auch viel länger. Nachdem wir hier fast
drei Stunden verbracht hatten, fuhren wir weiter mit Halt beim Biscuit Basin.
Hier gab es auch allerlei Geysirchen und heiße Quellen zu besichtigen, die
brodelten und dampften. Ein schöner Punkt in der Nachmittagsordnung war der
Fountain Paint Pot, der weiß und schlammartig blubbernd wirklich aussah wie ein
weißer Farbtopf.
Der letzte Stopp wurde an den Firehole Falls gemacht, die sich
neben der Straße völlig unscheinbar, aber sehenswert, entlangschlängelten. Nun musste
Papa aufs Gas drücken, noch mit dem Schwefelgeruch in der Nase fuhren wir in
Richtung Hayden Valley, um ausdauernd darauf zu hoffen dort noch etwas zu
entdecken. Auf der Liste standen noch: Moose, Bär, Wolf, Baumstachler, Dachs,
Weißkopfseeadler und Pika. Wieder mit weit geöffneten Augen aus dem
Mobilfenster starrend (wer von draußen herein geguckt hätte, hätte uns
vielleicht für ein wenig gruselig gehalten ^^) sausten wir durch die
Landschaft. Im hohen vergilbten Gras nahmen wir aus den Augenwinkeln drei sich
bewegende Punkte wahr. Vollbremsung und wichtige Utensilien am Interflug
hindern war wieder eins. Durchs Fernglas konnten wir in der Abendsonne drei
Kojoten beim „Mäuseln“ beobachten. In aller Ruhe gingen die Tiere ihrer
Abendbrotsuche nach, scheinbar wohl wissend, dass sie im Nationalpark nicht
geschossen werden durften. Aber leider immer noch keine Wölfe! Weiter ging’s
auf der Piste. Mit leichten Halluzinationen rief Jule, durch das Fernglas
starrend, plötzlich: „Da steht ein Elch!“ Also Elschalarm! Leider waren da nur
ganz viele Touris und der imaginäre Elch hatte sich inzwischen verflüchtigt und
entpuppte sich als Elk, was so ähnlich klingt aber leider wieder mal „nur“ ein
Wapiti war . Aber wir hatten schon gelernt: Wo so viele Leute stehen, muss es
was zu gucken geben! Also Fernglas schnappen und erst einmal wissend daneben
stellen und auch gucken. Man weiß zwar nicht wohin und was es da gibt, aber man
muss wissend aussehen, sodass einen viele Menschen aus den Autofenstern
anquatschen können: „Was sehen Sie denn da?“ und man antwortet dann „Keine
Ahnung, sehen Sie was?“ Schließlich wird irgendein Gesprächsfetzen von wegen
„Wolf“ oder „Grizzly“ fallen und hier wandelte sich tatsächlich der
„Elschalarm“ in „der Bär ist los“ um und wir konnten zwei Grizzlys an einem „Luder“
(wie Mama es nannte, für die „Nichtjagdlateinvertrauten“ unter uns: Da lag ein
Kadaver rum und keine aufreizend gekleidete Dame mit zwielichten Absichten!)
erkennen.
Wahnsinn! Da hatte es doch gelohnt und wir glotzten und glotzten bis
uns die Augen tränten (vor allem mit dem Zwiebelglas – ein altes Carl Zeiss
Fernglas, das nicht so das allerbeste ist im Gegensatz zum neuen Fernguckglas
von Frau Leica und da einem davon die „Augen zwiebeln“, wurde es nach diesem
von Mama erfundenen Ausdruck umbenannt – es war deswegen auch nicht so
begehrt!). Ab und zu schmulten wir noch durch eines der Spektive der
freundlichen Amerikaner und konnten dem Bär quasi in die Nase schauen. Auch
wurde von einem Wolf gesprochen, den wir nur erahnen konnten. Nachdem der große
Grizzly den kleinen Grizzly auf die Nase gehauen und diesen vertrieben hatte,
ließ er sich satt auf den Berg Fleisch sinken und schlief ein, während sich die
Raben um ihn scharten. Es wurde kalt und wir fuhren ab. Als Hannes abends die
Bilder sortierte, vergrößerte (denn trotz Teleobjektiv konnte man die Bären
nicht gestochen scharf erkennen) er einige und stellte dabei fest, dass auf den
ersten Fotos tatsächlich noch ein fetter Wolf neben den Grizzlys stand, den man
aufgrund seiner dem Valleygras angepassten Fellfarbe weder durch das
Zwiebelglas noch durch Frau Leica erkannt hatte. Na, der Abend hatte sich doch
gelohnt!
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