Dienstag, 11. September 2012

KALT! KALT! KALT!


Scheiße ist das kalt! Das entfuhr so ziemlich jedem Familienmitglied an diesem Morgen und nicht nur einmal. Alle Fenster waren wie durch Zauberhand (es wollte niemand zugeben) offen gewesen und so war es im Inneren des Mobils wie außen: eiskalt! Deshalb beschlossen wir nach einer warmen Dusche, während des Fahrens das Mobilchen etwas aufzuheizen und mit Blick auf den Jackson Lake zu frühstücken. Weit weg war der Yellowstone ja nicht. An zahlreichen Baustellen und einem plattgefahrenen Rauhfußhuhn („Nein, das heben wir jetzt nicht auf!“ rief die Jugend) vorbei, ging es weiter zum Yellowstone Nationalpark, dessen hölzernes Eingangsschild uns bald von weitem winkte.

Unser erster Stopp waren die Lewis -Fall, zu dem man erstmalig nicht noch 3 km laufen musste, sondern ihn asiaten – like gleich nach dem Ausstieg knipsen und dann schnell wieder ins Fahrzeug steigen konnte. An der dazugehörigen Brücke gab es eine Biberburg, leider war aber der Hauseigentümer nicht bereit sich zu zeigen. Die Lewis – Falls münden wieder in den Lewis – River, der in den Lewis Lake führtJ. Auf der langen Strecke danach sahen wir unsere ersten Bisons im Yellowstone. Im Grant Village ging es erstmals auf Gift – Shop- Suche und auf Briefmarkenjagd. 

Ein paar Kilometer weiter bei West Thumb sahen wir dann zum ersten Mal die „Pools“, die den Yellowstone Nationalpark ausmachen: große blubbernde Mud Pools und dampfende klare Wasserlöcher, die in -durch Bakterien ausgelöste- wunderschönen Farben leuchteten.

Am Yellowstone Lake entlang, ging es weiter zum Lake Village. An der Fishing Bridge angekommen, checkten wir in unseren als „Full“ angezeigten Trailer Park ein und bekamen neben einer netten Einweisung auch acht Gratisduschen – jucheee! Außerdem sollte es heute Nacht sehr kalt werden ( - 3°C …bbrrrrr!), sodass wir da auch einiges beachten mussten, um das Wassersystem des Parks nicht zu sprengen. Die Toiletten lagen soweit von unserem Stehplatz entfernt, dass wir uns nachts bestimmt nicht trauen würden bis dahin zu latschen ohne als Bärensnack zu enden. Unser freundlicher Nachbar, Besitzer eines fetten Wohnmobils, eines roten Mustangs (das Auto!), eines Pick – ups und zweier hässlicher kleiner Yorkshire – Terrier borgte uns ein Druckventil für den Wasserschlauch. Hannes prüfte sofort die technischen Gegebenheiten – 0 Internet und Empfang – the youth was not amused. Nach einer kurzen Verschnaufpause, machten wir uns auf, um noch zwei Punkte abzuarbeiten und einen Pullover für die bevorstehenden kalten Nächte zu erwerben. Das taten wir dann im General Store der Fishing Bridge und im dazugehörigen Visitor Ceter holten wir uns ein paar Informationen zu Tieren (u.a. wo sich Bären gerne aufhielten) und der Internetverteilung im Park. Unser erstes Ziel wurde von einem Spektakel am Yellowstone River nach hinten verschoben: eine sehr große Gruppe Bisons stand auf der anderen Seite des Flusses in der Sonne und war dabei zu trinken, zu mampfen oder sich gegenseitig zu schubsen. Der Fotoapparat dampfte und kurz darauf musste er gleich wieder ran, als am linken Straßenrand ein großer Bisonbulle seinen Kopf an einem Baumstamm rieb und dessen Rinde mit seinen Hörnern zerpflückte.

Überhaupt verursachten Bisons hier regelmäßig Staus, nicht nur in der Abendplanung der Familie Teubner. Es bedurfte einiger Zeit, um die interessierten Erziehungsberechtigten, die wie zwei hungrige Bären die Bisons durch die Ferngläser beobachteten, zum Mud Vulcano zu kriegen. Dort stank es unglaublich nach den berühmten „faulen Eiern“ und es dampfte und blubberte was das Zeug hielt. Während die Pools am West Thumb so klangvolle Namen hatten wie: Bluebell Pools, Ephedra Spring oder Lakeshore Geysir, trafen wir hier auf den Mud Caldron, den Mud Geysir, den Mud Vulcano und den Dragon’s Mouth Spring. Da wir irgendwann genug Schwefeldämpfe eingeatmet hatten, gingen wir an den interessierten Kolkraben, die ständig in die offenen Touristenautos schielten, zurück zum Mobil und sausten zum Hayden Valley. Dort versuchten wir eine Weile, zum ersten Mal auf unseren Klappstühlen sitzend, in der Kälte, das Fernglas am Auge festgefroren, etwas Interessantes zu erspähen. Ein einziges Bison und ein sich skeptisch umblickender „Elk“ (Wapiti) erbarmten sich unserer kalten Füße. Am Sulphur Caldron Aussichtspunkt konnten wir in der hintersten von dort sichtbaren Parkecke noch eine Herde Wapitis entdecken. Um unsere letzte Chance auf unserer Strecke zum Campground noch mal zu nutzen, hielten wir an der Fishing Bridge, wo sich laut Visitor Center manchmal ganze Bisonherden über die Brücke wälzten. Ein wenig Geduld machte sich bezahlt. Bald entdeckte Papa eine Bisamratte im Wasser, die emsig hin und herschwamm. 

Jule stand auf dem hinteren Teil der Brücke, als es plötzlich hinter ihr klapperte und schnaufte. Als sie sich umdrehte sah sie sich einem großen Bisonbullen gegenüber, der ganz gemächlich sabbernd und schnaufend über die Brücke schlenderte, während sich hinter ihm eine ganze Reihe Autos staute. 

Wenig beeindruckt setzte das riesige Tier seinen Spaziergang an Mama vorbei fort, ließ Papa sich die Finger wund knipsen und stockte erst bei Hannes, da der sich auf der Treppe befand, die der Bison eigentlich als Fluchtweg auserkoren hatte. Hannes machte sich zum Sprung bereit, aber dazu kam es nicht, da das Tier offensichtlich keine Lust auf Streit hatte. 

Es wackelte den Hügel hinauf und verschwand in Richtung der großen Bisonherde. Gewusst wie erspart einem nasse Füße oder auch Hufe. Da wir keinen Bären in unserem Bett wollten, grillten wir die Steaks diesmal in der Pfanne, was aber im Nachhinein gesehen gar nicht nötig gewesen wäre, denn draußen gab es sowohl offene kleine Feuer als auch grillende Homo sapiens, obwohl es offiziell verboten war. Ein kulinarisches Highlight war an diesem Abend der Nachtisch: Minimarshmallows, liebevoll an einem Schaschlikspieß über dem Teelicht gegart (darauf hat die Welt gewartet, aber wann und wo, wenn nicht hier im Amiland musste man es mal ausprobiert haben!^^) Nach dem passenden Film „2012“, in dem es sich ja auch sowohl um Kalifornien als auch um den Yellowstone dreht, waren wir froh, dass hier alles noch stand und gingen uns gruselnd ins kalte Bett. 

1 Kommentar:

  1. Ach ihr ärmsten,
    sagt bloß, ihr habt die warmen Schlafsäcke zu Hause vergessen? Ohne unsere Daunen verlassen wir das Haus nie, auch nicht nach Amerika! Aber ihr seid ja schon wieder auf dem Weg in wärmere Gefilde!
    Beste Grüße
    Frank und Ariane

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