Scheiße ist
das kalt! Das entfuhr so ziemlich jedem Familienmitglied an diesem Morgen und
nicht nur einmal. Alle Fenster waren wie durch Zauberhand (es wollte niemand
zugeben) offen gewesen und so war es im Inneren des Mobils wie außen: eiskalt!
Deshalb beschlossen wir nach einer warmen Dusche, während des Fahrens das
Mobilchen etwas aufzuheizen und mit Blick auf den Jackson Lake zu frühstücken.
Weit weg war der Yellowstone ja nicht. An zahlreichen Baustellen und einem
plattgefahrenen Rauhfußhuhn („Nein, das heben wir jetzt nicht auf!“ rief die
Jugend) vorbei, ging es weiter zum Yellowstone Nationalpark, dessen hölzernes
Eingangsschild uns bald von weitem winkte.
Unser erster
Stopp waren die Lewis -Fall, zu dem man erstmalig nicht noch 3 km laufen
musste, sondern ihn asiaten – like gleich nach dem Ausstieg knipsen und dann
schnell wieder ins Fahrzeug steigen konnte. An der dazugehörigen Brücke gab es
eine Biberburg, leider war aber der Hauseigentümer nicht bereit sich zu zeigen.
Die Lewis – Falls münden wieder in den Lewis – River, der in den Lewis Lake
führtJ. Auf der langen Strecke danach sahen
wir unsere ersten Bisons im Yellowstone. Im Grant Village ging es erstmals auf
Gift – Shop- Suche und auf Briefmarkenjagd.
Ein paar Kilometer weiter bei West
Thumb sahen wir dann zum ersten Mal die „Pools“, die den Yellowstone
Nationalpark ausmachen: große blubbernde Mud Pools und dampfende klare
Wasserlöcher, die in -durch Bakterien ausgelöste- wunderschönen Farben
leuchteten.
Am
Yellowstone Lake entlang, ging es weiter zum Lake Village. An der Fishing
Bridge angekommen, checkten wir in unseren als „Full“ angezeigten Trailer Park
ein und bekamen neben einer netten Einweisung auch acht Gratisduschen –
jucheee! Außerdem sollte es heute Nacht sehr kalt werden ( - 3°C …bbrrrrr!),
sodass wir da auch einiges beachten mussten, um das Wassersystem des Parks
nicht zu sprengen. Die Toiletten lagen soweit von unserem Stehplatz entfernt,
dass wir uns nachts bestimmt nicht trauen würden bis dahin zu latschen ohne als
Bärensnack zu enden. Unser freundlicher Nachbar, Besitzer eines fetten
Wohnmobils, eines roten Mustangs (das Auto!), eines Pick – ups und zweier
hässlicher kleiner Yorkshire – Terrier borgte uns ein Druckventil für den
Wasserschlauch. Hannes prüfte sofort die technischen Gegebenheiten – 0 Internet
und Empfang – the youth was not amused. Nach einer kurzen Verschnaufpause,
machten wir uns auf, um noch zwei Punkte abzuarbeiten und einen Pullover für
die bevorstehenden kalten Nächte zu erwerben. Das taten wir dann im General
Store der Fishing Bridge und im dazugehörigen Visitor Ceter holten wir uns ein
paar Informationen zu Tieren (u.a. wo sich Bären gerne aufhielten) und der
Internetverteilung im Park. Unser erstes Ziel wurde von einem Spektakel am Yellowstone
River nach hinten verschoben: eine sehr große Gruppe Bisons stand auf der
anderen Seite des Flusses in der Sonne und war dabei zu trinken, zu mampfen
oder sich gegenseitig zu schubsen. Der Fotoapparat dampfte und kurz darauf
musste er gleich wieder ran, als am linken Straßenrand ein großer Bisonbulle
seinen Kopf an einem Baumstamm rieb und dessen Rinde mit seinen Hörnern
zerpflückte.
Überhaupt verursachten Bisons hier regelmäßig Staus, nicht nur in
der Abendplanung der Familie Teubner. Es bedurfte einiger Zeit, um die
interessierten Erziehungsberechtigten, die wie zwei hungrige Bären die Bisons
durch die Ferngläser beobachteten, zum Mud Vulcano zu kriegen. Dort stank es
unglaublich nach den berühmten „faulen Eiern“ und es dampfte und blubberte was
das Zeug hielt. Während die Pools am West Thumb so klangvolle Namen hatten wie:
Bluebell Pools, Ephedra Spring oder Lakeshore Geysir, trafen wir hier auf den
Mud Caldron, den Mud Geysir, den Mud Vulcano und den Dragon’s Mouth Spring. Da
wir irgendwann genug Schwefeldämpfe eingeatmet hatten, gingen wir an den
interessierten Kolkraben, die ständig in die offenen Touristenautos schielten,
zurück zum Mobil und sausten zum Hayden Valley. Dort versuchten wir eine Weile,
zum ersten Mal auf unseren Klappstühlen sitzend, in der Kälte, das Fernglas am
Auge festgefroren, etwas Interessantes zu erspähen. Ein einziges Bison und ein
sich skeptisch umblickender „Elk“ (Wapiti) erbarmten sich unserer kalten Füße.
Am Sulphur Caldron Aussichtspunkt konnten wir in der hintersten von dort
sichtbaren Parkecke noch eine Herde Wapitis entdecken. Um unsere letzte Chance
auf unserer Strecke zum Campground noch mal zu nutzen, hielten wir an der
Fishing Bridge, wo sich laut Visitor Center manchmal ganze Bisonherden über die
Brücke wälzten. Ein wenig Geduld machte sich bezahlt. Bald entdeckte Papa eine
Bisamratte im Wasser, die emsig hin und herschwamm.
Jule stand auf dem hinteren
Teil der Brücke, als es plötzlich hinter ihr klapperte und schnaufte. Als sie
sich umdrehte sah sie sich einem großen Bisonbullen gegenüber, der ganz
gemächlich sabbernd und schnaufend über die Brücke schlenderte, während sich
hinter ihm eine ganze Reihe Autos staute.
Wenig beeindruckt setzte das riesige
Tier seinen Spaziergang an Mama vorbei fort, ließ Papa sich die Finger wund
knipsen und stockte erst bei Hannes, da der sich auf der Treppe befand, die der
Bison eigentlich als Fluchtweg auserkoren hatte. Hannes machte sich zum Sprung
bereit, aber dazu kam es nicht, da das Tier offensichtlich keine Lust auf
Streit hatte.
Es wackelte den Hügel hinauf und verschwand in Richtung der
großen Bisonherde. Gewusst wie erspart einem nasse Füße oder auch Hufe. Da wir
keinen Bären in unserem Bett wollten, grillten wir die Steaks diesmal in der
Pfanne, was aber im Nachhinein gesehen gar nicht nötig gewesen wäre, denn
draußen gab es sowohl offene kleine Feuer als auch grillende Homo sapiens,
obwohl es offiziell verboten war. Ein kulinarisches Highlight war an diesem
Abend der Nachtisch: Minimarshmallows, liebevoll an einem Schaschlikspieß über
dem Teelicht gegart (darauf hat die Welt gewartet, aber wann und wo, wenn nicht
hier im Amiland musste man es mal ausprobiert haben!^^) Nach dem passenden Film
„2012“, in dem es sich ja auch sowohl um Kalifornien als auch um den
Yellowstone dreht, waren wir froh, dass hier alles noch stand und gingen uns
gruselnd ins kalte Bett.
Ach ihr ärmsten,
AntwortenLöschensagt bloß, ihr habt die warmen Schlafsäcke zu Hause vergessen? Ohne unsere Daunen verlassen wir das Haus nie, auch nicht nach Amerika! Aber ihr seid ja schon wieder auf dem Weg in wärmere Gefilde!
Beste Grüße
Frank und Ariane