Montag, 10. September 2012

Unterwegs im Bärenland!


Als wir aufwachten, trommelte der Regen auf das Mobilchendach. Na toll. Nur ein Tag Zeit im Grand Teton und dann so ein Wetter. Wir lugten nach draußen. Die Umherstiefelnden trugen allesamt Regenkombi und waren offensichtlich an dieses Wetter gewöhnt und angepasst. Da in diesem Nationalpark keine Shuttlebusse verkehren, beschlossen wir nach dem Frühstück bei unverändert grauem Wetter und entsprechender Grundstimmung, mit dem Papa-Shuttle zunächst ein bisschen auf Asiatentourismus zu machen und die empfohlenen Aussichtspunkte des Parks nach faunistisch-floristischen Highlights sowie die Visitor Center nach der von Hannes begehrten auf „alt gemachten“ Grand-Teton-Postkarte abzuklappern. 


Am Jenny Lake hätten wir gerne eine Bootstour gebucht, was auf Grund des zu niedrigen Wasserstandes und der bereits entschwundenen Season (nur bis 03. September) aber leider nicht möglich war. Dafür fanden wir Bibernagespuren am Seeufer und kleine an die Stämme von Gelb-Kiefern getackerte Pheromonpäckchen, die dem „Pine-Beetle“ signalisieren sollten, dass der Baum schon von anderen Käfern dieser Art überbevölkert ist. Was wir nicht fanden, war die von Hannes gesuchte Postkarte, in keinem der Visitor Center! 

Bei unserem Mittagessen, was aus den begehrten Instantnudeln bestand, hielten wir an einem sehr beschaulichen Plätzchen am Straßenrand, von dem aus wir auf die herrliche, vom Snake River durchflossene Landschaft blicken konnten. Wer mit seiner Hühnernudelsuppe fertig war, begann sich zu langweilen und aus dem Fenster zu gucken. Bei der Gelegenheit sah Papa einen weißen „Reiher“, was sich bei genauerer Fernglasbeobachtung als ein weißer Pelikan herausstellte. Als dieser auch noch abhob und in unsere Richtung flog, sah man nur noch ein paar herunterfallende Blätter und eine offene Tür im Mobil, denn die Männer hatten wie einst Road Runner mit Kamera und Fotoapparat die Beine in die Hand genommen und waren losgesprintet.  

Mittlerweile schien die Sonne und so beschlossen wir, unsere Wandertradition (Jule: wenn ich gewusst hätte, dass das ein reiner Wanderurlaub wird…!) fortzusetzen und suchten den als „tierreich“ (besonders im Hinblick auf Elche und Wasservögel) beschriebenen Christian Pond auf. Leider mussten wir bis dahin dem stinkigen Horse Trail folgen (die dazu gehörigen Pferde waren uns auch schon entgegengekommen, mit dem Bryce Canyon Ritt hatten wir schon alles richtig gemacht), was bei der Jugend zu heftigen allergischen Niesanfällen führte. Die Alten rieten dazu, vom flächendeckend vertretenen Wermut  zu schnüffeln und sofort wurde es besser. (Noch besser wäre es sicher mit Absinth geworden, aber zur Herstellung fehlten uns gerade Zeit und Equipment). Wir fanden leider nur einige Entenarten am Tümpel und Blesshühner, über dem „Pool“ J flog ein Truthahngeier. Nach der Rückkehr auf unseren Campground suchten wir uns einen neuen Wanderweg am See entlang. Während Papa Mama erklärte, hier sei er gestern schon gewesen und das lohne sich nicht, wurden Hannes und Jule von einem netten Franzosenpärchen herangewunken. Diese nuschelten etwas von einem „ours, petit ours“, wir verstanden erst Moose, aber als wir ein Stückchen näher heranschlichen, sahen wir, dass dem Moose eindeutig ein Geweih fehlte. Auch war das Fell schön schwarz und flauuuusschhiiig! Es war nämlich gar kein Moose (= Elch), sondern ein junger Schwarzbär, der nicht wusste wohin angesichts der ihn umringenden Touris. Daher trat der den Rückzug an und wir erwischten filmtechnisch nur noch sein Hinterteil! ABER wir hatten einen Bären gesehen. Da geht noch mehr! Wir tappten um die Halbinsel und auf die kleinere angrenzende Insel, fanden aber „nur“ noch 5 Kanadagänse, ein paar Hörnchen, ein scheues Raufußhuhn, ein paar Bärenkratzspuren am Baum und einen verirrten Rentner, der nach einem Mann im gestreiften Pullover suchte, der ebenfalls alleine durch die Gegend irren sollte. Wir konnten ihm leider nicht weiterhelfen. Aber besser als nichts. Immerhin hatten wir einen Bären gesehen, auch wenn sich die Elche bisher ein wenig rarmachten. Wir hatten ja noch die letzte Hoffnung: Yellowstone.

Nach dem Abendbrot, das hieß diesmal: vorzügliche Hamburger – Pizza J und Pancakes, wagten Hannes und Jule noch einen Abstecher in die Laundry natürlich ausgestattet mit Taschenlampe, Fotoapparat (ohne Akku wie sich später herausstellte -.-) und einem Stock, da neben den Waschmaschinen der kostenlose WiFi – Empfang sehr gut war. Hier konnte man neben dem Internet auch noch waschen, trocknen und von 8 Uhr morgens bis 18.45 Uhr duschen für 3,75 $. Wenn man allerdings zu fünft duschte war es preiswerter. Wie jetzt? Aber für Nacktbaden im See (siehe Film „Friendship“ ^^) gibt es hier 24 h Arrest. Da duschten wir doch lieber genau dem Motto von Horst Evers: „Aaahhh zu heiß, uhhhmmm zu kalt, aaahhh zu heiß, uhhhmmm zu kalt!“ J in unserer eigenen Nasszelle, schließlich hatte Hannes mit Papa’s Kreditkarte einen „Full – hook“ Campside ergattert. 

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