Als wir
aufwachten, trommelte der Regen auf das Mobilchendach. Na toll. Nur ein Tag
Zeit im Grand Teton und dann so ein Wetter. Wir lugten nach draußen. Die
Umherstiefelnden trugen allesamt Regenkombi und waren offensichtlich an dieses
Wetter gewöhnt und angepasst. Da in diesem Nationalpark keine Shuttlebusse
verkehren, beschlossen wir nach dem Frühstück bei unverändert grauem Wetter und
entsprechender Grundstimmung, mit dem Papa-Shuttle zunächst ein bisschen auf
Asiatentourismus zu machen und die empfohlenen Aussichtspunkte des Parks nach
faunistisch-floristischen Highlights sowie die Visitor Center nach der von
Hannes begehrten auf „alt gemachten“ Grand-Teton-Postkarte abzuklappern.
Am
Jenny Lake hätten wir gerne eine Bootstour gebucht, was auf Grund des zu
niedrigen Wasserstandes und der bereits entschwundenen Season (nur bis 03.
September) aber leider nicht möglich war. Dafür fanden wir Bibernagespuren am
Seeufer und kleine an die Stämme von Gelb-Kiefern getackerte Pheromonpäckchen,
die dem „Pine-Beetle“ signalisieren sollten, dass der Baum schon von anderen
Käfern dieser Art überbevölkert ist. Was wir nicht fanden, war die von Hannes
gesuchte Postkarte, in keinem der Visitor Center!
Bei unserem Mittagessen, was
aus den begehrten Instantnudeln bestand, hielten wir an einem sehr
beschaulichen Plätzchen am Straßenrand, von dem aus wir auf die herrliche, vom
Snake River durchflossene Landschaft blicken konnten. Wer mit seiner
Hühnernudelsuppe fertig war, begann sich zu langweilen und aus dem Fenster zu
gucken. Bei der Gelegenheit sah Papa einen weißen „Reiher“, was sich bei
genauerer Fernglasbeobachtung als ein weißer Pelikan herausstellte. Als dieser
auch noch abhob und in unsere Richtung flog, sah man nur noch ein paar
herunterfallende Blätter und eine offene Tür im Mobil, denn die Männer hatten
wie einst Road Runner mit Kamera und Fotoapparat die Beine in die Hand genommen
und waren losgesprintet.
Mittlerweile
schien die Sonne und so beschlossen wir, unsere Wandertradition (Jule: wenn ich
gewusst hätte, dass das ein reiner Wanderurlaub wird…!) fortzusetzen und
suchten den als „tierreich“ (besonders im Hinblick auf Elche und Wasservögel)
beschriebenen Christian Pond auf. Leider mussten wir bis dahin dem stinkigen
Horse Trail folgen (die dazu gehörigen Pferde waren uns auch schon
entgegengekommen, mit dem Bryce Canyon Ritt hatten wir schon alles richtig
gemacht), was bei der Jugend zu heftigen allergischen Niesanfällen führte. Die
Alten rieten dazu, vom flächendeckend vertretenen Wermut zu schnüffeln und sofort wurde es besser.
(Noch besser wäre es sicher mit Absinth geworden, aber zur Herstellung fehlten
uns gerade Zeit und Equipment). Wir fanden leider nur einige Entenarten am
Tümpel und Blesshühner, über dem „Pool“ J flog ein Truthahngeier. Nach der
Rückkehr auf unseren Campground suchten wir uns einen neuen Wanderweg am See
entlang. Während Papa Mama erklärte, hier sei er gestern schon gewesen und das
lohne sich nicht, wurden Hannes und Jule von einem netten Franzosenpärchen
herangewunken. Diese nuschelten etwas von einem „ours, petit ours“, wir
verstanden erst Moose, aber als wir ein Stückchen näher heranschlichen, sahen
wir, dass dem Moose eindeutig ein Geweih fehlte. Auch war das Fell schön
schwarz und flauuuusschhiiig! Es war nämlich gar kein Moose (= Elch), sondern
ein junger Schwarzbär, der nicht wusste wohin angesichts der ihn umringenden
Touris. Daher trat der den Rückzug an und wir erwischten filmtechnisch nur noch
sein Hinterteil! ABER wir hatten einen Bären gesehen. Da geht noch mehr! Wir
tappten um die Halbinsel und auf die kleinere angrenzende Insel, fanden aber
„nur“ noch 5 Kanadagänse, ein paar Hörnchen, ein scheues Raufußhuhn, ein paar
Bärenkratzspuren am Baum und einen verirrten Rentner, der nach einem Mann im
gestreiften Pullover suchte, der ebenfalls alleine durch die Gegend irren
sollte. Wir konnten ihm leider nicht weiterhelfen. Aber besser als nichts.
Immerhin hatten wir einen Bären gesehen, auch wenn sich die Elche bisher ein
wenig rarmachten. Wir hatten ja noch die letzte Hoffnung: Yellowstone.
Nach dem
Abendbrot, das hieß diesmal: vorzügliche Hamburger – Pizza J und Pancakes, wagten Hannes und Jule
noch einen Abstecher in die Laundry natürlich ausgestattet mit Taschenlampe,
Fotoapparat (ohne Akku wie sich später herausstellte -.-) und einem Stock, da
neben den Waschmaschinen der kostenlose WiFi – Empfang sehr gut war. Hier
konnte man neben dem Internet auch noch waschen, trocknen und von 8 Uhr morgens
bis 18.45 Uhr duschen für 3,75 $. Wenn man allerdings zu fünft duschte war es
preiswerter. Wie jetzt? Aber für Nacktbaden im See (siehe Film „Friendship“ ^^)
gibt es hier 24 h Arrest. Da duschten wir doch lieber genau dem Motto von Horst
Evers: „Aaahhh zu heiß, uhhhmmm zu kalt, aaahhh zu heiß, uhhhmmm zu kalt!“ J in unserer eigenen Nasszelle,
schließlich hatte Hannes mit Papa’s Kreditkarte einen „Full – hook“ Campside
ergattert.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen