Freitag, 7. September 2012

Den Bryce Canyon voll auskosten :)


Entgegen des inneren Rhythmus der Jugend klingelte der Wecker um 5:45Uhr. Hannes maulte: „Warum müssen wir Sunrise angucken, geht nicht auch Sunset?!“.  Wir schafften es gerade noch pünktlich kurz vor Sonnenaufgang zum Bryce Point, wo schon Dutzende von Touristen auf das berühmte Sunrise-Fotomotiv warteten. Einige davon offensichtlich schon länger und mit Schlafsäcken ausgerüstet.  Eine jüngere Touristin, die wohl auch schon eine Weile mit ihrem Schlafsack da saß, hatte sogar einen übergroßen Strampler an! Tatsächlich pfiff ein eisiger Wind und als die Sonne endlich die Kalksandsteinfelsen in ein rotes Morgenlicht tauchte, knipsten alle wie besessen. Am beliebtesten war das Fotomotiv Hannes vor Felsen. Das kam dazu, weil Papa unbedingt am frühen Morgen ein Foto mit Hannes vor dem Bryce Canyon machen wollte. Sofort stellten sich schaulustige amerikanische und asiatische Touristen ein, die dieses einmalige Motiv ebenfalls filmten und ablichteten und wer weiß wohin ins Netz stellen. 

Auch nachdem die Sonne den Horizont überschritten hatte, wurde es nicht wärmer, weshalb wir uns zu einem Hot Breakfast im Mobilchen entschieden (eigentlich stand auch noch einmal kurz ins Bettchen hüpfen zur Debatte, wurde aber schnell von den Alten abgelehnt). Für heute war eine Tour des höchsten Schwierigkeitsgrades geplant (Strenuous Hikes), die ca. 4h dauern sollte. Beim Schmökern in der Nationalparkzeitung fiel Jule auf, dass am gleichen Ausgangspunkt für diese Wanderung auch die Horse-Riding-Tours beginnen. Damit Mama auch wenigsten einmal im Land der Hopi- und Navajo-Indianer auf einem Pferd gesessen hat, schlug Jule vor sich nach den Konditionen eines solchen Ritts zu erkundigen. Die erste Tour war gerade vor unserer Nase losgeritten, was unschwer an den noch dampfenden Pferdeäpfeln zu erkennen war. Der nächste Ritt startete um 14Uhr und sogleich buchten wir ihn auch für die Mama. Papa erklärte sich dann aus Solidarität (irgendwie aus der Mode gekommenes Wort) bereit, Mama zu begleiten. Unbeeindruckt unterschrieben wir einen Zettel, auf dem uns voller fun bei own risk gewünscht wurde, der auch mit dem death enden konnte. Schließlich  waren wir im wilden Westen. Bis zum entspannenden Reiten blieb uns aber noch genug Zeit für unseren „Strenuous hike“. Voller „Tatendrang“ stiegen wir um 9:45Uhr vom Bryce Point zum 9km langen und dabei 473 Höhenmeter überwindenden Peekaboo Loop hinab. 


Auf diesem Trail konnten wir dann im Tal angekommen viele interessante Formationen bewundern, z.B. „E.T.“, die sinkende Titanic, „The Wall of Windows“ und einige mehr. Auf dem schweißtreibenden Rückweg trafen wir ein deutsches Paar, von denen wir im Vorbeigehen folgenden Dialog erhaschten: Er: „Hast du eben den Mann gesehen?“, Sie:“Wieso?“, Er: „Na der hatte einen ganz roten Kopf, ich glaub, das wird noch anstrengend!“! Papa fand die Bemerkung jedoch gar nicht lustig. Nach knapp 3h kamen wir keuchend und schwitzend wieder am Ausgangspunkt an. Na, dann, viel Spaß beim Reiten wünschte Hannes den beiden Alten, nicht ohne versteckte Ironie mit einzubauen. Um 13:30 fanden wir uns bei den haarigen Vierbeinern ein. Auf dem zuvor unterzeichneten Zettel standen als Bedingung für den Ritt lange Hosen und Kopfbedeckung, verboten waren Rucksäcke. Das holländische Pärchen erschien in kurzen Hosen und mit Rucksack, die Franzosen ohne Kopfbedeckung und ohne das „MUST understand English“, sodass für die kleinen französischen Jungs alles von den auch nur mäßig Englisch sprechenden Eltern übersetzt werden musste – sehr riskant. Egal. Dies ist ein freies Land und so kam jeder mit. Bei der Verteilung des Reituntersatzes erwischte Mama das Quarter-Horse „Sunnyboy“, während Papa ein großes, sehr ruhiges Maultier mit riesigen Ohren zugewiesen bekam. 


Unser Cowboy-Guide kraulte das Muli zwischen den riesigen Löffeln, wobei es genüsslich die Augen schloss und gähnte. Na hoffentlich machte es die Augen auf den schmalen Wegen entlang des Abgrundes wieder auf. Von lautstarken Erklärungen und gelegentlichen „Yippie-Rufen“ des Cowboys begleitet, schaukelten wir gemächlich den Canyon hinunter, vorbei an Indian Paintbrush-Flowers, Gelbkiefern mit nach Vanille duftender Rinde und wieder anderen Felsformationen, darunter Mrs. Doubtfire. Der offensichtlich etwas lebensmüde Sunnyboy latschte dabei so dicht am Abgrund entlang, dass Geröll und Sand hinunter bröselten. 


Papas Muli tat es ihm nach. Es wurde dennoch ein sehr entspannender Ritt mit der für uns ganz neuen Erfahrung, dass man Canyon-Trails auch ganz ohne Schwitzen (zumindest für die Reiter) genießen konnte. Nach 2h am Bryce Point angekommen war die Jungend noch nicht zurück. Sie verbrachte ihre Freizeit ohne die Alten nahezu nur im Bus. Als Jule und Hannes bis zum Visitor Center gefahren waren, fiel ihnen auf, dass sie den „Annual Pass“ brauchten, um dann wieder in den National Park zu kommen. Das hieß Pinkelpause im Visitor Center und ab zurück zum Wohnmobil. Danach ging es dann aber endlich zum Shoppen am Ruby’s Inn. Dort kramten die beiden in Steinen, Kristallen und Versteinerungen aus der Gegend und suchten noch ein paar Mitbringsel für zuhause. Rechtzeitig zur Bushaltestelle gelaufen, kam wie man den öffentlichen Nahverkehr ja so gut kennt, gerade kein Bus und so mussten die beiden sich beeilen nicht allzu spät wieder am Wohnmobil aufzutauchen – das hieß: von der letzten Bushaltestelle laufen! Um kurz nach 4 trafen dann die Jungend und die Alten am Bryce Point wieder aufeinander. Als wir wieder in Richtung Campground sausten (ja sausten!!!), hielten wir noch an einem Punkt an: Mossy Cave and Waterfall. Ein hübsches Fleckchen Erde, wo tatsächlich Wasser floss. Bei aufregendem Licht wurden ein paar kitschige Photos vom Wasserfall geschossen und auch die Mossy Cave mit echten Moosen wurde nach einiger Überzeugungsarbeit abgelichtet. 


Angeblich gibt es hier, manchmal bis in den Juni hinein noch Eiszapfen. Gut, das kurze Stück zurück am Fluss entlang und endgültig zum KOA – Campground zurück. Während Jule versuchte, neben ein paar planschenden holländischen Kindern am Pool noch ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen, ging der nach Pferd und Muli duftende Teil der Familie erst einmal duschen und da der Pool zu voll war, schloss sich Hannes der Duschfraktion an. Durch die ständigen vorbei ziehenden Wolken nieselte es ein wenig, zwischendurch schien aber die Sonne so für eine Minute, das war ein wenig anstrengend, aber so entstand wenigstens ein schöner Regenbogen. 


Dann versuchte Papa mühevoll die dünnen Fleischscheiben und die fettigen Würstchen für den Gourmet – Geschmack der Familie herzurichten. Leider reichte mit Liebe grillen nicht aus, das Fleisch schmeckte zwar gut (was sicher auch an der hochprozentigen Knoblauchmarinade lag), aber es war gar nicht einfach es in kleine, mundgerechte Stücke zu zerteilen. So feierten wir unser verspätetes Bergfest mit einem BBQ, bei dem es neben den üblichen Kartoffeln mit Sour Cream und Avocadocreme auch Tomatensalat und insgesamt eine ganze Menge Knoblauch gab. Gute Naaaaaaaaacccchhhhht! J

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