Entgegen des
inneren Rhythmus der Jugend klingelte der Wecker um 5:45Uhr. Hannes maulte:
„Warum müssen wir Sunrise angucken, geht nicht auch Sunset?!“. Wir schafften es gerade noch pünktlich kurz
vor Sonnenaufgang zum Bryce Point, wo schon Dutzende von Touristen auf das
berühmte Sunrise-Fotomotiv warteten. Einige davon offensichtlich schon länger
und mit Schlafsäcken ausgerüstet. Eine
jüngere Touristin, die wohl auch schon eine Weile mit ihrem Schlafsack da saß,
hatte sogar einen übergroßen Strampler an! Tatsächlich pfiff ein eisiger Wind
und als die Sonne endlich die Kalksandsteinfelsen in ein rotes Morgenlicht
tauchte, knipsten alle wie besessen. Am beliebtesten war das Fotomotiv Hannes
vor Felsen. Das kam dazu, weil Papa unbedingt am frühen Morgen ein Foto mit
Hannes vor dem Bryce Canyon machen wollte. Sofort stellten sich schaulustige
amerikanische und asiatische Touristen ein, die dieses einmalige Motiv
ebenfalls filmten und ablichteten und wer weiß wohin ins Netz stellen.
Auch
nachdem die Sonne den Horizont überschritten hatte, wurde es nicht wärmer,
weshalb wir uns zu einem Hot Breakfast im Mobilchen entschieden (eigentlich
stand auch noch einmal kurz ins Bettchen hüpfen zur Debatte, wurde aber schnell
von den Alten abgelehnt). Für heute war eine Tour des höchsten
Schwierigkeitsgrades geplant (Strenuous Hikes), die ca. 4h dauern sollte. Beim
Schmökern in der Nationalparkzeitung fiel Jule auf, dass am gleichen
Ausgangspunkt für diese Wanderung auch die Horse-Riding-Tours beginnen. Damit
Mama auch wenigsten einmal im Land der Hopi- und Navajo-Indianer auf einem
Pferd gesessen hat, schlug Jule vor sich nach den Konditionen eines solchen
Ritts zu erkundigen. Die erste Tour war gerade vor unserer Nase losgeritten,
was unschwer an den noch dampfenden Pferdeäpfeln zu erkennen war. Der nächste
Ritt startete um 14Uhr und sogleich buchten wir ihn auch für die Mama. Papa
erklärte sich dann aus Solidarität (irgendwie aus der Mode gekommenes Wort)
bereit, Mama zu begleiten. Unbeeindruckt unterschrieben wir einen Zettel, auf
dem uns voller fun bei own risk gewünscht wurde, der auch mit dem death enden
konnte. Schließlich waren wir im wilden
Westen. Bis zum entspannenden Reiten blieb uns aber noch genug Zeit für unseren
„Strenuous hike“. Voller „Tatendrang“ stiegen wir um 9:45Uhr vom Bryce Point
zum 9km langen und dabei 473 Höhenmeter überwindenden Peekaboo Loop hinab.
Auf
diesem Trail konnten wir dann im Tal angekommen viele interessante Formationen
bewundern, z.B. „E.T.“, die sinkende Titanic, „The Wall of Windows“ und einige
mehr. Auf dem schweißtreibenden Rückweg trafen wir ein deutsches Paar, von
denen wir im Vorbeigehen folgenden Dialog erhaschten: Er: „Hast du eben den Mann
gesehen?“, Sie:“Wieso?“, Er: „Na der hatte einen ganz roten Kopf, ich glaub,
das wird noch anstrengend!“! Papa fand die Bemerkung jedoch gar nicht lustig.
Nach knapp 3h kamen wir keuchend und schwitzend wieder am Ausgangspunkt an. Na,
dann, viel Spaß beim Reiten wünschte Hannes den beiden Alten, nicht ohne
versteckte Ironie mit einzubauen. Um 13:30 fanden wir uns bei den haarigen
Vierbeinern ein. Auf dem zuvor unterzeichneten Zettel standen als Bedingung für
den Ritt lange Hosen und Kopfbedeckung, verboten waren Rucksäcke. Das
holländische Pärchen erschien in kurzen Hosen und mit Rucksack, die Franzosen
ohne Kopfbedeckung und ohne das „MUST understand English“, sodass für die
kleinen französischen Jungs alles von den auch nur mäßig Englisch sprechenden
Eltern übersetzt werden musste – sehr riskant. Egal. Dies ist ein freies Land
und so kam jeder mit. Bei der Verteilung des Reituntersatzes erwischte Mama das
Quarter-Horse „Sunnyboy“, während Papa ein großes, sehr ruhiges Maultier mit
riesigen Ohren zugewiesen bekam.
Unser Cowboy-Guide kraulte das Muli zwischen
den riesigen Löffeln, wobei es genüsslich die Augen schloss und gähnte. Na
hoffentlich machte es die Augen auf den schmalen Wegen entlang des Abgrundes
wieder auf. Von lautstarken Erklärungen und gelegentlichen „Yippie-Rufen“ des
Cowboys begleitet, schaukelten wir gemächlich den Canyon hinunter, vorbei an
Indian Paintbrush-Flowers, Gelbkiefern mit nach Vanille duftender Rinde und
wieder anderen Felsformationen, darunter Mrs. Doubtfire. Der offensichtlich
etwas lebensmüde Sunnyboy latschte dabei so dicht am Abgrund entlang, dass
Geröll und Sand hinunter bröselten.
Papas Muli tat es ihm nach. Es wurde
dennoch ein sehr entspannender Ritt mit der für uns ganz neuen Erfahrung, dass
man Canyon-Trails auch ganz ohne Schwitzen (zumindest für die Reiter) genießen
konnte. Nach 2h am Bryce Point angekommen war die Jungend noch nicht zurück.
Sie verbrachte ihre Freizeit ohne die Alten nahezu nur im Bus. Als Jule und
Hannes bis zum Visitor Center gefahren waren, fiel ihnen auf, dass sie den
„Annual Pass“ brauchten, um dann wieder in den National Park zu kommen. Das
hieß Pinkelpause im Visitor Center und ab zurück zum Wohnmobil. Danach ging es
dann aber endlich zum Shoppen am Ruby’s Inn. Dort kramten die beiden in
Steinen, Kristallen und Versteinerungen aus der Gegend und suchten noch ein
paar Mitbringsel für zuhause. Rechtzeitig zur Bushaltestelle gelaufen, kam wie
man den öffentlichen Nahverkehr ja so gut kennt, gerade kein Bus und so mussten
die beiden sich beeilen nicht allzu spät wieder am Wohnmobil aufzutauchen – das
hieß: von der letzten Bushaltestelle laufen! Um kurz nach 4 trafen dann die
Jungend und die Alten am Bryce Point wieder aufeinander. Als wir wieder in
Richtung Campground sausten (ja sausten!!!), hielten wir noch an einem Punkt
an: Mossy Cave and Waterfall. Ein hübsches Fleckchen Erde, wo tatsächlich
Wasser floss. Bei aufregendem Licht wurden ein paar kitschige Photos vom
Wasserfall geschossen und auch die Mossy Cave mit echten Moosen wurde nach
einiger Überzeugungsarbeit abgelichtet.
Angeblich gibt es hier, manchmal bis in
den Juni hinein noch Eiszapfen. Gut, das kurze Stück zurück am Fluss entlang
und endgültig zum KOA – Campground zurück. Während Jule versuchte, neben ein paar
planschenden holländischen Kindern am Pool noch ein paar Sonnenstrahlen zu
erhaschen, ging der nach Pferd und Muli duftende Teil der Familie erst einmal
duschen und da der Pool zu voll war, schloss sich Hannes der Duschfraktion an. Durch
die ständigen vorbei ziehenden Wolken nieselte es ein wenig, zwischendurch
schien aber die Sonne so für eine Minute, das war ein wenig anstrengend, aber
so entstand wenigstens ein schöner Regenbogen.
Dann versuchte Papa mühevoll die
dünnen Fleischscheiben und die fettigen Würstchen für den Gourmet – Geschmack
der Familie herzurichten. Leider reichte mit Liebe grillen nicht aus, das
Fleisch schmeckte zwar gut (was sicher auch an der hochprozentigen
Knoblauchmarinade lag), aber es war gar nicht einfach es in kleine, mundgerechte
Stücke zu zerteilen. So feierten wir unser verspätetes Bergfest mit einem BBQ,
bei dem es neben den üblichen Kartoffeln mit Sour Cream und Avocadocreme auch
Tomatensalat und insgesamt eine ganze Menge Knoblauch gab. Gute
Naaaaaaaaacccchhhhht! J
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