In der Nacht
hatte es angefangen zu regnen – und wie! Als der Regen nachgelassen hatte, war
nach Mitternacht ein schaurig interessantes Coyotengeheul zu vernehmen. Trotzdem
war es irgendwann Sonntagmorgen – Pfannkuchenzeit. Also stellte sich Jule an
die Pfanne und machte Pfannkuchen. Zum Glück konnte man in dem Nationalpark
auch bei schlechtem Wetter etwas unternehmen. So entschieden wir uns nach dem
Frühstück sogleich ins Visitor Center zu wandern, denn der Abstieg in den
Canyon war uns zu dem Zeitpunkt noch zu glitschig. Diesmal fanden wir einen
kürzeren Weg und wurden leider enttäuscht: Das überlaufene Visitor Center wurde
nur von ein paar Erklärungstafeln und einem Tisch voller bärtiger Ranger
eingenommen, die ihre Gratisbroschüren in kleinen Fächern sortiert unter den
Tischen versteckten. Dafür fanden wir aber heraus, dass vom 1. – 3. September
am Hopi – House eine Vorführung der Ureinwohnertänze stattfinden sollte.
Aber
bevor wir uns das zu Gemüte führten, fuhren wir mit der „Purple Route“ nach
Tusayan, um das National Geographic Visitor Center aufzusuchen und vielleicht
im McDoof das freie WIFI zu nutzen.
Leider unterschied sich das National
Geographic Visitor Center nicht grundlegend von den anderen Centern, wenn man
von einem hauseigenen IMAX, einem Pizzahut im Nebenraum und dem Angebot der
„Pink Jeep Tours“ mal absieht. Trotzdem gab es auch hier lustige Sachen zu
erstehen und nachdem wir diese bei den unfreundlichen Kassierern – eine echte
Rarität unter den von uns bisher kennengelernten amerikanischen Verkäufern –
bezahlt hatten, erschlichen wir uns bei McDoof noch eine Stunde freies WiFi.
Glücklicherweise begannen die netten Navajo – Indianer nicht pünktlich, da wir
eine Weile in der Gegend herumliefen, eh wir das Hopi – House entdeckt hatten. Um
den tanzenden und den singenden Indianer jeweils besser sehen zu können – denn
nicht alle Touristen sind rücksichtsvolle Zuschauer – stellten Mama und Jule
sich auf das Mäuerchen, das die Meute vom Abgrund des Canyons trennte. Sofort
kam eine nicht bärtige Parkrangerin angehechtet und versuchte uns mit ihren
Rehaugen und dem eingeübten Spruch von dem Mäuerchen zu bewegen: „ Das ist ein
freies Land. Sie können gerne dort stehen bleiben, aber es sind auch schon
viele Leute so ums Leben gekommen.“ Tja,
also entweder in den Canyon fallen, dafür aber vorher etwas sehen oder die
schönen Rücken der Touristen betrachten und das Tappen und Singen nur zu hören
– wir hatten die Wahl! Nach ein paar Liedern und Tänzen erkundeten wir das Hopi
– House von innen und erstanden Postkarten. Leider hatten wir in der Zeit einen
wohl sehr spannenden Teil des Tanzens verpasst, worüber uns Papa im Nachhinein
informierte, der draußen stand, da er kein Fan von kleinen Hopi – Knetfiguren
und noch mehr T – Shirts und Federn ist. Dafür entging ihm aber die von Hannes
in dem Hopi – House entdeckte Kinderliteratur, die den für den Tag
entscheidenden Titel trug: Wer hat in den Park gekackt? Wir dachten erst wir
hören nicht richtig, als uns Hannes diese monumentale Frage stellte, das Buch
gab es aber wirklich!
Unser
nächster Stop galt dem Verkamp’s Visitor Center, denn da sich das Wetter immer
noch nicht sonderlich gebessert hatte, konnten wir genauso gut all die Sachen
abarbeiten, die wir uns bei schönem Wetter vielleicht nicht angesehen hätten.
Doch der späte Nachmittag wurde wieder sonniger, als wir den Rim Trail entlang
des Canyon abwanderten und ein Bergbild nach dem nächsten schossen.
Nachdem sich die Sonne hinter den Wolken
hervorgekämpft hatte, entschlossen wir uns spontan zu dem im Park – Guide für
den Sonnenuntergang empfohlenen Hopi – Point zu shutteln. Ganz zum Unbehagen
von Hannes, dessen Magen ihm nun schon in den Kniekehlen hing. Wir hüpften in
die „Blue Route“ und stiegen dann in die „Red Route“ um wie aber leider viele
andere Touristen, die entweder lesen konnten oder die Empfehlung von einem der
bärtigen Ranger erhalten hatten.
In den zweiten Bus kamen wir dann rein und
suchten uns am Hopi Point angekommen wieder mit den üblichen Verdächtigen –
deutsche, indische und andere asiatische Touristen – ein hübsches Fleckchen, um
„EINE STUNDE!!???“ (Zitat Hannes) auf das einmalige Schauspiel zu warten.
Leider hatten wir – wie die Inder und besser vorbereiteten Touris der Neckermann – Reisetouren mit Schirmchen –
keine kleinen Pappkoffer mit Knabberzeug und Sandwiches dabei. Auch die Inder
hinter uns hatten ein vollständiges 5 – Gänge – Menü in ihrer Plastetüte, was
von Hannes sabbernd beobachtet wurde.
Ihm reichten unsere schönen salzigen Cracker und das leicht abgängig im
Geschmack gechlorte Canyon – Wasser nicht aus um satt zu werden. Neben den anströmenden
Menschenmassen kam auch ein leichter Wind auf, der uns Jacken und Kapuzen
anziehen und aufsetzen ließ. Doch dann war es
soweit: Die Sonne schien rötlich über den Canyon, tauchte aber mehr die
Touristen als die Felswände in ein warmes oranges Licht.
Während Papa sich die
Finger wund knipste, kümmerten sich Mama und Jule um den Fluchtweg. Nachdem wir
aber zwei Busfahrer gefragt hatten, ob sie wirklich von diesem Punkt abfuhren
und auch sicher in die Stadt und nicht noch über Oberammergau gondelten,
warteten wir noch einen Bus ab, um den nächsten mit vielen anderen Touristen zu
erstürmen. Noch konnten wir sitzen, das änderte sich aber, als wir in den Bus
umsteigen wollten, der die blaue Route entlang zu unserem Campground tourte.
Die Massen, die aus den Bussen quollen, alle begierig darauf nach Hause zu
kommen, stellten sich zwar noch artig in einer Schlange an, aber man hatte
schon eine ungefähre Vorstellung davon wie das bei einer Flut aussehen mochte.
Als einzige stiegen wir schließlich am Trailer Village aus und nachdem wir
unser Mobilchen im Dunkeln gefunden hatten, gab es neben köstlichen Bison –
Ingwer – Knoblauch – Zwiebel – Bouletten auch einen lustigen Tagesabschluss mit
Johnny English alias Mr. Bean.
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