Dienstag, 18. September 2012

Waldschrate in Downtown, alles so groß hier!


Der Tag war gekommen: der Tag der Abgabe! Das bedeutete: aufräumen, putzen und noch einmal in alle Ecken zu kriechen. Wir frühstückten vor Ort (dessen Ausführung bei der Fahrt oft für fliegende Gegenstände, kleine Überschwemmungen und Rutschpartien gesorgt hatte) und als nächstes Ziel fuhren wir den „Target“ an, in dem Papa (zum Glück hatte das Ding morgens um 08.00 Uhr schon offen) sein ersehntes Objektiv erstand, was er auch sofort an der Fototheke auspackte und ausprobierte. Auf die Frage der Verkäuferin, ob es das auch beruflich mache, antwortete der Erziehungsberechtigte wahrheitsgemäß „Nein!“, konnte sich es jedoch nicht verkneifen der jungen Dame den Preisunterschied Deutschland – USA zu verdeutlichen, wobei dieser wohl die Gesichtszüge entglitten sein sollen. Ein letztes Mal Tanken und 5 Minuten Fahrt trennten uns in einem Vorort von San Francisco noch von dem Mobilhafen. Dort angekommen, entluden wir unser reichliches Gepäck und wurden von den netten Damen am Empfang begrüßt. Tatsächlich fand sich auch eine 5 – köpfige israelische Familie, die jetzt erst ihre Tour begann und sich über die von uns nicht verbrauchten Sachen freute.


Die Dame, die das Fahrzeug kontrollierte, übersah glücklicherweise auch noch den ein oder anderen Kratzer und so konnten wir uns in den Shuttlebus schwingen, dessen unfreundlicher Fahrer eine holländische Familie, ein älteres deutsches Pärchen und uns in Höchstgeschwindigkeit zum Flughafen fuhr. Wir blieben sitzen, da wir erst am Donnerstag fliegen sollten / wollten und konnten so die „Fastseeingtour“ durch San Francisco genießen. An einem Hotel ließ uns der gute Mann raus und verkündete, als Jule ihn nach dem Weg zum Renoir Hotel fragte, dass er uns dort auch hingefahren hätte, aber nun sei es zu spät! Na da danken wir auch schön. Aber zu Glück war es nicht weit. Jule und Mama gingen voraus und erfuhren, dass wir leider erst um 15.00 Uhr einchecken konnten. Ein Teil des Gepäcks schlossen sie ein und gingen noch einmal, um die mit den Koffern wartenden Männer abzuholen. Da wir alle Hunger hatten, ließen wir uns in der Hotellobby nieder und schnabulierten unsere Reste und nutzten das kostenlose Internet. Jedoch zog sich die Warterei und um 14.00 Uhr beschlossen Jule, Hannes und Mama zum Visitor Center zu laufen, um erste Erkundungen einzuziehen, außerdem war der Internetserver des Hotels bereits zusammengebrochen. Der Weg dahin war nicht einfach und führte uns an den Folgen des Landes der begrenzten Unmöglichkeiten vorbei. Es lag sicherlich auch am Viertel, aber so viele obdachlose Menschen waren uns noch nie in einer Großstadt begegnet. Nach einigem Fragen (ein 2 m großer Officer war dabei behilflich) fanden wir das „downstairs“ gelegene Visitor Center und erstanden neben Informationen auch vier Tagesfahrkarten (seit Erscheinen des Reiseführers – 2011- und dem heutigen Tag waren diese von 11 auf 14 $ gestiegen!) für den nächsten Tag. Zurück im Hotel fragten wir vorsichtig nach, ob denn irgendwann die Möglichkeit bestünde in unser Zimmer einzuchecken und tatsächlich- sie bestand. J Der ansässige Koffermanager mit einem spanischen Namen (keiner kann sich den merken, deswegen heißt er ab und zu Carlos oder Santana, in Wirklichkeit hieß er jedoch Santino!) bugsierte unsere zahlreichen Taschen nach oben und nachdem wir die Kofferinhalte größtenteils im Zimmer verteilt hatten, beschlossen wir einen Teil San Franciscos per pedes zu erkunden.


Dabei kamen am „Cable Car Turnaround“ vorbei, an dem die Cable Cars auf einer Art runden Platte umgedreht wurden, damit sie in die andere Richtung fahren, liefen vom Union Square weiter durch Chinatown, durch den Financial Destrict, bewunderten die steilen Straßen und waren dankbar da nicht mehr mit dem Mobil hoch zu müssen. Unser Ziel war das Ferry Building, in dem es neben Fährtickets auch allerlei Köstlichkeiten im Bereich Käse, Brot, Pilze (!) und natürlich auch „Seafood“ gab. Von hier aus konnte man eine Brücke sehen, welche allerdings noch nicht die Golden Gate Bridge darstellte.



Da wir nicht in der Dunkelheit durch unser Viertel wollten, entschieden wir uns für den Rückweg und stolperten auf diesem über Bäume, die bis zum letzten Blatt gefüllt waren mit dem Zetern von grünen Sittichen. Sehr exotisch und lustig anzusehen, wie diese ihre Kreise um die hart umkämpften Schlafplätze zogen. In Chinatown ging unser Plan billige Postkarten zu erwerben insofern nach hinten los, da die Briefmarken dort umso teurer waren. Tja ein gutes Geschäft für die asiatische Ladenbesitzerin oder auch „Beschiss!“ genannt. Uns plagte der Hunger und so kehrten wir auf dem Weg ins Renoir noch im Bloomingdale’s ein. Hier gab es eine große Auswahl an Geschäften, was die Entscheidung ja bekanntlicher Weise nicht einfacher macht. Schließlich fiel unsere Wahl auf ein japanisches Schnellrestaurant, was als Tagesspecial „Chicken Terryaki“ zum Verkosten anbot. Es schmeckte wirklich gut, wurde vor unsere Nase zubereitet und außerdem lächelten die so nett. Mit dem warmen Essen unterm Arm kämpften wir uns durch die Gassen von Downtown. In unserem schönen Chaoszimmerchen (übrigens mit zwei Bädern und zwei Wandschränken!) verspeisten wir das gute Zeug bei dem Film („Vielleicht, vielleicht auch nicht“), konnten den Primaballerinas im gegenüberliegenden Wolkenkratzer beim Üben ins Fenster sehen und selbst Papa hatte die Chance mit dem Leica – Glas zu erspähen, wer auf der anderen Straßenseite in den Club durfte und wer nicht. 

Ansonsten fährt auch alle 5 Minuten ein mit Sirenen gespicktes Fahrzeug vorbei, ab und zu ertönten Schüsse - na das kann eine ruhige Nacht werden! (Früher hätte man den Fernseher an dieser Stelle einfach abgeschaltet!)

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