Der Tag war
gekommen: der Tag der Abgabe! Das bedeutete: aufräumen, putzen und noch einmal
in alle Ecken zu kriechen. Wir frühstückten vor Ort (dessen Ausführung bei der
Fahrt oft für fliegende Gegenstände, kleine Überschwemmungen und Rutschpartien
gesorgt hatte) und als nächstes Ziel fuhren wir den „Target“ an, in dem Papa
(zum Glück hatte das Ding morgens um 08.00 Uhr schon offen) sein ersehntes
Objektiv erstand, was er auch sofort an der Fototheke auspackte und
ausprobierte. Auf die Frage der Verkäuferin, ob es das auch beruflich mache,
antwortete der Erziehungsberechtigte wahrheitsgemäß „Nein!“, konnte sich es
jedoch nicht verkneifen der jungen Dame den Preisunterschied Deutschland – USA
zu verdeutlichen, wobei dieser wohl die Gesichtszüge entglitten sein sollen.
Ein letztes Mal Tanken und 5 Minuten Fahrt trennten uns in einem Vorort von San
Francisco noch von dem Mobilhafen. Dort angekommen, entluden wir unser reichliches
Gepäck und wurden von den netten Damen am Empfang begrüßt. Tatsächlich fand
sich auch eine 5 – köpfige israelische Familie, die jetzt erst ihre Tour begann
und sich über die von uns nicht verbrauchten Sachen freute.
Die Dame,
die das Fahrzeug kontrollierte, übersah glücklicherweise auch noch den ein oder
anderen Kratzer und so konnten wir uns in den Shuttlebus schwingen, dessen
unfreundlicher Fahrer eine holländische Familie, ein älteres deutsches Pärchen
und uns in Höchstgeschwindigkeit zum Flughafen fuhr. Wir blieben sitzen, da wir
erst am Donnerstag fliegen sollten / wollten und konnten so die „Fastseeingtour“
durch San Francisco genießen. An einem Hotel ließ uns der gute Mann raus und
verkündete, als Jule ihn nach dem Weg zum Renoir Hotel fragte, dass er uns dort
auch hingefahren hätte, aber nun sei es zu spät! Na da danken wir auch schön.
Aber zu Glück war es nicht weit. Jule und Mama gingen voraus und erfuhren, dass
wir leider erst um 15.00 Uhr einchecken konnten. Ein Teil des Gepäcks schlossen
sie ein und gingen noch einmal, um die mit den Koffern wartenden Männer
abzuholen. Da wir alle Hunger hatten, ließen wir uns in der Hotellobby nieder
und schnabulierten unsere Reste und nutzten das kostenlose Internet. Jedoch zog
sich die Warterei und um 14.00 Uhr beschlossen Jule, Hannes und Mama zum
Visitor Center zu laufen, um erste Erkundungen einzuziehen, außerdem war der
Internetserver des Hotels bereits zusammengebrochen. Der Weg dahin war nicht
einfach und führte uns an den Folgen des Landes der begrenzten Unmöglichkeiten
vorbei. Es lag sicherlich auch am Viertel, aber so viele obdachlose Menschen
waren uns noch nie in einer Großstadt begegnet. Nach einigem Fragen (ein 2 m
großer Officer war dabei behilflich) fanden wir das „downstairs“ gelegene
Visitor Center und erstanden neben Informationen auch vier Tagesfahrkarten
(seit Erscheinen des Reiseführers – 2011- und dem heutigen Tag waren diese von
11 auf 14 $ gestiegen!) für den nächsten Tag. Zurück im Hotel fragten wir
vorsichtig nach, ob denn irgendwann die Möglichkeit bestünde in unser Zimmer
einzuchecken und tatsächlich- sie bestand. J Der ansässige Koffermanager mit
einem spanischen Namen (keiner kann sich den merken, deswegen heißt er ab und
zu Carlos oder Santana, in Wirklichkeit hieß er jedoch Santino!) bugsierte
unsere zahlreichen Taschen nach oben und nachdem wir die Kofferinhalte
größtenteils im Zimmer verteilt hatten, beschlossen wir einen Teil San
Franciscos per pedes zu erkunden.
Dabei kamen
am „Cable Car Turnaround“ vorbei, an dem die Cable Cars auf einer Art runden
Platte umgedreht wurden, damit sie in die andere Richtung fahren, liefen vom
Union Square weiter durch Chinatown, durch den Financial Destrict, bewunderten
die steilen Straßen und waren dankbar da nicht mehr mit dem Mobil hoch zu
müssen. Unser Ziel war das Ferry Building, in dem es neben Fährtickets auch
allerlei Köstlichkeiten im Bereich Käse, Brot, Pilze (!) und natürlich auch
„Seafood“ gab. Von hier aus konnte man eine Brücke sehen, welche allerdings
noch nicht die Golden Gate Bridge darstellte.
Da wir nicht
in der Dunkelheit durch unser Viertel wollten, entschieden wir uns für den
Rückweg und stolperten auf diesem über Bäume, die bis zum letzten Blatt gefüllt
waren mit dem Zetern von grünen Sittichen. Sehr exotisch und lustig anzusehen,
wie diese ihre Kreise um die hart umkämpften Schlafplätze zogen. In Chinatown
ging unser Plan billige Postkarten zu erwerben insofern nach hinten los, da die
Briefmarken dort umso teurer waren. Tja ein gutes Geschäft für die asiatische
Ladenbesitzerin oder auch „Beschiss!“ genannt. Uns plagte der Hunger und so
kehrten wir auf dem Weg ins Renoir noch im Bloomingdale’s ein. Hier gab es eine
große Auswahl an Geschäften, was die Entscheidung ja bekanntlicher Weise nicht
einfacher macht. Schließlich fiel unsere Wahl auf ein japanisches Schnellrestaurant,
was als Tagesspecial „Chicken Terryaki“ zum Verkosten anbot. Es schmeckte
wirklich gut, wurde vor unsere Nase zubereitet und außerdem lächelten die so
nett. Mit dem warmen Essen unterm Arm kämpften wir uns durch die Gassen von
Downtown. In unserem schönen Chaoszimmerchen (übrigens mit zwei Bädern und zwei
Wandschränken!) verspeisten wir das gute Zeug bei dem Film („Vielleicht,
vielleicht auch nicht“), konnten den Primaballerinas im gegenüberliegenden
Wolkenkratzer beim Üben ins Fenster sehen und selbst Papa hatte die Chance mit
dem Leica – Glas zu erspähen, wer auf der anderen Straßenseite in den Club
durfte und wer nicht.
Ansonsten
fährt auch alle 5 Minuten ein mit Sirenen gespicktes Fahrzeug vorbei, ab und zu
ertönten Schüsse - na das kann eine ruhige Nacht werden! (Früher hätte man den
Fernseher an dieser Stelle einfach abgeschaltet!)
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