Unser
zweiter Tag im Zion begann. Heute wollten wir wie die Bergziegen auf einen Berg
klettern, aber nicht auf irgendeinen Berg. Angel‘s Landing erhob sich 1765 m
über uns, das klingt erstmal nicht viel, aber wir hatten 8km in Strecke und
450m Höhenunterschied zu bewerkstelligen. Außerdem besagt der heilige
Reiseführer: „Der Weg zu Angel’s Landing verläuft teilweise über einen schmalen
Felsrücken und ist für nicht Schwindelfreie ungeeignet.“, im Klartext: Nix für
MamaJ! „Aber wo dicke Touris hochkommen,
komm ich allemal hoch, ich will auch mal Engel sein.“ Nach dem Frühstück und
eine dreiviertel Stunde früher als gestern bestiegen wir den Shuttlebus, ließen
uns von Kristina fahren und stiegen bei The Grotto’s aus. Da gab es auch eine
Horse – Riding - Tour, der Mama wehmütig
hinterher blickte, aber das wollten wir den armen Pferden nicht zumuten.
Schließlich mussten wir da alleine hoch und das erste Stück ging auch ganz gut.
Am Anfang der Strecke fanden wir eine tote, nicht mehr allzu frische
Fledermaus, eine kleine Myotisart. Begleitet von den kleinen Streifenhörnchen,
die uns mit ihrem hektischen Gehüpfe den Weg wiesen, kraxelten wir die ersten
paar Meter nach oben bis zum Scout Lookout, wo wir nach einer Stunde Wanderung
eine Pause einlegten und Kekse mampfend zusahen wie sich die kleinen Chipmunks
mit Krümeln die Backen vollstopften. Ein großes Highlight kreiste kurz darauf
über unseren Köpfen: die einzigen beiden Condore des Nationalparks – eine echte
Rarität! Sie hießen A3 und 99, wie man auf den Flügelmarken deutlich erkennen
konnte.
Nach einer kurzen Pause, wollten wir nun den unsichersten Teil des
Weges angehen. Dieser stellte sich als jedoch steiler und weiter heraus, als
wir befürchtet. Außerdem war es eine Art Einbahnstraße, sodass man sich mit den
entgegenkommenden Touristen sowohl an den breiteren als auch weniger breiten
Stellen irgendwie arrangieren musste. Auch unsere Wanderstöcke deponierten wir,
da sie uns hier oben wirklich keine Hilfe waren. Es schien kein Ende zu nehmen,
aber irgendwann war der Berg zu Ende und kleine Haufen von Touristengruppen
zeigten uns das Ende unseres Aufstiegs an.
Im Austausch mit einem aus Frankfurt
/ Main stammenden Pärchen tätigten wir die unausweichlichen und hart
erwanderten Gipfelphotos, wieder gab es als Belohnung diesmal eine blaue
Rittersporttafel. Wäre man ein Engel, hätte man problemlos ins Tal segeln
können, aber wir mussten leider auf dem vom Teufelchen in den Berg geritzten
Wanderweg wieder zurück ins Tal. Beim Zurückkriechen staute sich vor uns eine
lange Schlange von Touristen wegen des bereits erwähnten Engpasses. Als wir
gerade am Scout Lookout angelandet waren, fing es an zu regnen – ja man glaubt
es kaum: REGEN! Also irgendwo unterstellen. Trotzdem wurden wir doch noch ein
bisschen nass, aber es hörte auch schnell wieder auf.
Es war ein wenig
glitschig als wir jetzt nach unten wanderten und die anderen, die den Trip noch
vor sich hatten, mitleidig anguckten und sie mit einem aufmunternden Lächeln
begrüßten. Unten angekommen, erwischten wir einen Shuttle in Richtung Watchman
Campground und freuten uns schon auf das kühle Bad im Virgin River. Einmal noch
kurz im Visitor Center vorbeigeguckt und dann ab in den Fluss, der heute
allerdings schlammig und voll mit Blättern und kleinen Ästchen war, also kühl,
aber nicht so schön anzusehen. Des Weiteren wollten wir die Internetmöglichkeit
nutzen und fuhren mit dem Mobil in die Stadt, da wir auch am Rande des Campgrounds
Wasser auffüllen und die Dumpstation nutzen mussten. Wenigstens gab es in
Springdale in einem Café für 4,75 $ einen Mango – Smoothie und eine halbe
Stunde gratis Internet, was Hannes und Papa ausnutzten, während wir eine Butter
und 20 Briefmarken im Market erstanden. Der Abend konnte kommen. Um uns herum
hatten sich viele amerikanische Familien mit großen Campingstuhlkreisen und
Grills platziert, da ja dieses Wochenende „Labor Day Weekend“ war. Wir
verspeisten die restlichen Nudeln und jeder bekam noch drei unserer ersten
selbstgemachten Pancakes mit dem zuvor im Kühlschrank halb ausgelaufenen Syrup
dazu – es war köstlich süüüüüüüüüüüüüüüüßJ!
Nach dem Film „Ich – Unverbesserlich“ (sehr empfehlenswert!), fielen wir
glücklich und mit einem „Es ist so flauschiiiiiig!“ auf den Lippen ins Bett,
denn morgen mussten wir wieder früh raus!
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