Die Nacht
war kurz, der Wecker klingelte um 4.30 Uhr und ich kann mit Bestimmtheit sagen,
dass das nicht meine Zeit ist. 3 / 4 der Familie ging dennoch noch mal bei einem wunderbaren Sternenhimmel
duschen, während ich mein Bett für die Tagbenutzung umbaute. Trotzdem auch ich
aufgestanden war, legte ich mich (es war saukalt!) schon eingemummelt hinten
auf das Bett und schlief noch ca.3 Stunden, zur Strafe wurde ich auch prompt
fotografiert. Die anderen Mitreisenden beschäftigten sich ua. mit: Hannes mit
Videospielen, Mama hörte mit meinem I – pod Musik und das Familienoberhaupt
fuhr fort Ford zu fahrenJ.
Als ich erwachte waren wir bereits auf dem Highway 15 in
Richtung Las Vegas. Das straßenbegleitende Mehrbereichsgrün war vertrocknet und
vermüllt und heiß schien die Sonne draußen über der Wüste von Nevada. Am Anfang
gab es noch einige Orte, die auch wichtige Institutionen wie die University of
Phoenix (obwohl wir nicht mal in Arizona geschweige denn in Phoenix waren)
beherbergten – ein Glück sind Semesterferien-, aber auch mit viel Müll, toten
Truckreifen und Schrott gesäumt waren. Unser Schluckspechtmobilchen hatte
bereits fleißig seine 26 l / 100 km aufgesaugt und so winkte uns schon wieder
die nächste Tankstelle. Als Papa fleißig tankte, fotografierten Hannes und ich
die Trucks, die nebeneinander beim „Truck washing“ standen. Das markierte uns
natürlich als Touristen und prompt entstand ein Smalltalk mit einem netten
Herrn, der es mit der Zahnvorsorge nicht so genau nahm. Nach diesem
Tankstellenbesuch wussten wir auch, dass wir beim nächsten Mal Cash bezahlen,
denn das kostet 10 ct pro Gallone (= 3,77 Liter) weniger – gewusst wie spart
Energie und Knete. Schließlich waren wir in der tiefsten Wüste angekommen, was
natürlich mit einer Photosession vor der Wüste und vor einem Schild, auf dem
Las Vegas in 187 Meilen ausgeschildert war, gewürdigt werden musste. Während
der Fahrt war jeder mit irgendetwas beschäftigt: Mama las wie man ein mieses
Karma verhindert, Hannes schrieb heimatliche Ansichtskarten, Jule las aus den
„55 Tipps für Las Vegas“ vor und Papa… ja der fuhr weiter. Bald auch ereilte
uns in unserem zum Glück recht kühlen Mobilchen der Hunger und Mama zauberte
bei voller Fahrt heiße Hunde mit Toast und wahlweise Ketchup oder Senf auf den
Tisch, ohne bei den „Bumps“ (Erhebungen hügelartiger Weise auf der Straße) die
Pfanne mit oder ohne die Würstchen ins Cockpit zu schleudern. Fortsetzung folgt…
Gegen 15 Uhr
rollen wir Las Vegas entgegen – irgendwie haben wir es uns noch viel größer
vorgestellt – sind aber dennoch froh, auf den 4spurigen Highways bald unseren
Campground „OASIS“ (der einzige ohne einarmige Banditen, auf den man auch mit dem
zarten Alter von Hannes‘ 19 Jahren schon darf) im Zentrum erreicht zu haben. Am
Eingang sabbelte uns jemand wortreich nuschelnd mit mehreren Fragen zu. Wir
verstanden nur, dass wir nach mitgebrachten Haustieren gefragt werden,
ansonsten nur Bahnhof. Das Familienoberhaupt bringt es mit dem 1. Zitat des
Tages auf den Punkt: „Habt ihr was verstanden? Ich hab nix verstanden!“.
Danach
tuckerten wir zur Rezeption, an der uns ein freundlicher asiatisch aussehender
und sprechender Amerikaner unseren Platz zuwies und das Geld abknöpfte. Obwohl
wir eine große Schleife fahren mussten, fanden wir unseren Platz (direkt neben
einem Teil der Minigolfanlage) sehr hübsch, zumal er teilweise im Schatten lag,
trotz alledem war es entsetzlich heiß, was Hannes mit dem 2. Spruch des Tages
kommentierte: „Scheiiß die Wand an, ist das heiß!“, als er unser kühles
Mobilchen in die glühende Hitze verließ. Als erstes schnappten wir unsere
Sachen und hüpften in den Pool. Es gab einen „adult pool“ und einen „family
pool“, wobei beide gleich pisswarm waren und wie Hannes feststellte war der
adult pool auch nicht besonders „spannend“. Es gab sogar einen Whirlpool, als
Jule allerdings den ersten Zeh reinstreckte, hüpfte sie auf und ab und rief:
„Scheiße ist das heiß!“. Danach machten
wir uns auf in die Stadt, um Las Vegas „by night“ zu erkunden. Ein kurzer
Fußmarsch in sengender Hitze zur imaginären Bushaltestelle stand uns bevor.
Leider war die Bushaltestelle nicht besonders gut ausgeschildert, was zur Folge
hatte, dass wir erst nachfragen mussten. Dann standen wir eine ganze Weile in
der brütenden Hitze und warteten und warteten…
leider kam der Bus ganz und gar nicht nach dem Zeitplan, den wir an der
Rezeption erhalten hatten. Dort hatte man uns gleich den Tipp gegeben lieber
ein Taxi zu nehmen, wovon uns allerdings in jedem Reiseführer abgeraten wurde.
Wir waren
alle ein wenig entnervt, da wir als (norddeutsch geprägte) Europäer die Hitze
nicht gewöhnt waren. 35 Minuten später kam dann doch ein Bus, der zwar alle 100
m anhielt, in dem wir aber bei einem netten Busfahrer mit vermuteten
Sonnenstich die Fahrkarten erstehen konnten. An der nächsten Bushaltestelle
mussten wir raus und umsteigen. Der nächste Bus kam schnell und ruck zuck waren
wir im „Zentrum“ und stiegen vor einem Laden namens Sugarland aus. Ab diesem
Zeitpunkt besichtigten wir sehr viele Casinos. Als erstes das Paris, wo wir uns
jeder einmal für ein Photo vor einen Spielautomaten setzten. Um uns herum
standen Casinos wie das Excalibur, das Ceasar’s Palace (in dem Hangover spielt)
und wir liefen bis zum Flamingo, welches das älteste Casino in Las Vegas ist.
Über die Straßen ging es mit Brücken, auf die man mit Rolltreppen rauf und
runter fahren konnte. Als nächstes sahen wir das Wasserfontänenspiel vor dem
Bellagio an, welches von Celine Dion begleitet wurde – herrlich kitschig.
Überall auf den Straßen fuhren Limosinen in schwarz, weiß und im Hummerformat.
Auf den Bürgersteigen hatten viele Leute große, lange Plastebecher in der Hand,
aus denen sie bunte smoothieartige Getränke schlürften. Wir wollten auch so was
haben, das fanden wir auch schnell und bestellten für 22 $ einen Riesendrink
mit Margarita – Füllung. Endlich was Kaltes.
Nun schlenderten wir die Straße
hinunter und tranken so schnell wie möglich, um es nochmal für 15 $– diesmal
mit Erdbeer(= Leuna-Buna)-Wodka - auffüllen zu lassen. Hunger plagte uns irgendwann und wir mussten
uns zwischen dem „Panda Express“ und „Rockin‘ Tacko“. Mama und Papa trafen
schließlich die Entscheidung für den mexikanischen Schnellimbiss und ich
bestellte (wie bei Subways) einen Burrito. Da ich keine Ahnung von Burritos
geschweige denn von den Zutaten hatte, entschied ich mich nach Lust und Laune
gegen die schwarzen Bohnen und für die rote Soße… das war ein fataler Fehler.
Ich weiß nicht mehr was es in dem 9 $ Abendbrot war, das wir uns teilten, aber als
ich den ersten Bissen nahm, kam mir der Dampf aus den Ohren und Papa musste
einer Stichflamme ausweichen, die ich ausspie. Es trieb einem die Tränen in die
Augen (was für meinen Freund gerade die richtige Schärfe wäre, die er ohne
Schulterzucken verschlungen hätte) und vor lauter Schärfe schmeckte man auch kaum was. Aber nun war er
schon mal da: „Aufessen!“ sagte Mama, „Das desinfiziert!“ Und so reichte ein
Miniburrito locker für 4 Personen. Mexikanisch war damit für uns gegessen!
^^ Unsere „must – go“ – Läden auf der Seite waren
eindeutig noch der M&M – Shop, das Harley Davidson Restaurant und das
Hardrock Café. Vorbei an verschieden verkleideten Menschen ( sei es nun Hulk,
Sylvester von Sylvester und Tweety,
Xena, Wonderwoman, Spiderman, Catwoman, Luigi von Super Mario, ein rosaner
Affe, Bumble Bee von Transformers – natürlich deutlich kleiner- Elvis oder
Ernie & Bert, die mit Elmo und dem Krümelmonster im Schlepptau winkend und
vermutlich unglaublich schwitzend über die Bürgersteige watschelten. Gegen
Trinkgelder durfte man sie fotografieren und so filmten wir sie nur. Im Hardrock
Café erstanden wir T – Shirts und verloren Papa, der irgendwo rumstand und
darauf wartete, dass wir vom Klo wieder kämen, wo wir aber nie waren. Der
M&M – Shop erschlug einen mit tonnenweise bunten, künstlichen und natürlich
überteuerten Schokolinsen und Schnickschnack. Gegen 22:00 Uhr hatten wir genug
vom Glimmer-Glitzer und eigentlich schon die nötige Bettschwere erreicht. Ins
OASIS waren es aber noch knapp 7 km. Die Buslinie von der Hinfahrt hielt schon
lange nicht mehr an den Haltestellen. Schulbusse (warum immer die auch jetzt
noch fuhren) sowieso nicht. Also Fußmarsch in Richtung Umsteigestation. Darauf waren die amerikanischen Bürger nicht
eingestellt. Und so gab es auch keine Bürgersteige. Nicht mal
Straßenbeleuchtung. Wir waren die einzigen bei immer noch 35 Grad zu Fuß
gehenden Trottel. Typisch Touri. Als an der Umsteigestelle auch kein
nächtlicher Bus mehr zu erwarten war, winkten wir erschöpft doch ein Taxi
heran. Der freundliche Taxifahrer fragte uns sofort, ob wir das Stück gelaufen
waren, wir bejahten dies und kamen uns irgendwie blöd vor. Die typische Frage
hier kam natürlich auch: Wo kommt ihr her? Als wir sagten wir kämen aus
Deutschland und dazu noch Berlin fragte er sofort „Deutsch Demokratische
Republik“? Natürlich was auch sonst J. Jedenfalls hat er uns nicht
beschissen und uns für 9 $, die wir gerne gaben – hatte es uns doch eine
weitere Stunde Fußmarsch erspart- direkt vor unserem Mobilchen abgesetzt. Dass
wir danach alle wie tot uns Bett fielen erklärt sich von selbst.
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