Montag, 27. August 2012

Auf in die Stadt der Sünden :D


Die Nacht war kurz, der Wecker klingelte um 4.30 Uhr und ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass das nicht meine Zeit ist. 3 / 4 der Familie ging dennoch  noch mal bei einem wunderbaren Sternenhimmel duschen, während ich mein Bett für die Tagbenutzung umbaute. Trotzdem auch ich aufgestanden war, legte ich mich (es war saukalt!) schon eingemummelt hinten auf das Bett und schlief noch ca.3 Stunden, zur Strafe wurde ich auch prompt fotografiert. Die anderen Mitreisenden beschäftigten sich ua. mit: Hannes mit Videospielen, Mama hörte mit meinem I – pod Musik und das Familienoberhaupt fuhr fort Ford zu fahrenJ










Als ich erwachte waren wir bereits auf dem Highway 15 in Richtung Las Vegas. Das straßenbegleitende Mehrbereichsgrün war vertrocknet und vermüllt und heiß schien die Sonne draußen über der Wüste von Nevada. Am Anfang gab es noch einige Orte, die auch wichtige Institutionen wie die University of Phoenix (obwohl wir nicht mal in Arizona geschweige denn in Phoenix waren) beherbergten – ein Glück sind Semesterferien-, aber auch mit viel Müll, toten Truckreifen und Schrott gesäumt waren. Unser Schluckspechtmobilchen hatte bereits fleißig seine 26 l / 100 km aufgesaugt und so winkte uns schon wieder die nächste Tankstelle. Als Papa fleißig tankte, fotografierten Hannes und ich die Trucks, die nebeneinander beim „Truck washing“ standen. Das markierte uns natürlich als Touristen und prompt entstand ein Smalltalk mit einem netten Herrn, der es mit der Zahnvorsorge nicht so genau nahm. Nach diesem Tankstellenbesuch wussten wir auch, dass wir beim nächsten Mal Cash bezahlen, denn das kostet 10 ct pro Gallone (= 3,77 Liter) weniger – gewusst wie spart Energie und Knete. Schließlich waren wir in der tiefsten Wüste angekommen, was natürlich mit einer Photosession vor der Wüste und vor einem Schild, auf dem Las Vegas in 187 Meilen ausgeschildert war, gewürdigt werden musste. Während der Fahrt war jeder mit irgendetwas beschäftigt: Mama las wie man ein mieses Karma verhindert, Hannes schrieb heimatliche Ansichtskarten, Jule las aus den „55 Tipps für Las Vegas“ vor und Papa… ja der fuhr weiter. Bald auch ereilte uns in unserem zum Glück recht kühlen Mobilchen der Hunger und Mama zauberte bei voller Fahrt heiße Hunde mit Toast und wahlweise Ketchup oder Senf auf den Tisch, ohne bei den „Bumps“ (Erhebungen hügelartiger Weise auf der Straße) die Pfanne mit oder ohne die Würstchen ins Cockpit zu schleudern. Fortsetzung folgt…


Gegen 15 Uhr rollen wir Las Vegas entgegen – irgendwie haben wir es uns noch viel größer vorgestellt – sind aber dennoch froh, auf den 4spurigen Highways bald unseren Campground „OASIS“ (der einzige ohne einarmige Banditen, auf den man auch mit dem zarten Alter von Hannes‘ 19 Jahren schon darf) im Zentrum erreicht zu haben. Am Eingang sabbelte uns jemand wortreich nuschelnd mit mehreren Fragen zu. Wir verstanden nur, dass wir nach mitgebrachten Haustieren gefragt werden, ansonsten nur Bahnhof. Das Familienoberhaupt bringt es mit dem 1. Zitat des Tages auf den Punkt: „Habt ihr was verstanden? Ich hab nix verstanden!“.  
Danach tuckerten wir zur Rezeption, an der uns ein freundlicher asiatisch aussehender und sprechender Amerikaner unseren Platz zuwies und das Geld abknöpfte. Obwohl wir eine große Schleife fahren mussten, fanden wir unseren Platz (direkt neben einem Teil der Minigolfanlage) sehr hübsch, zumal er teilweise im Schatten lag, trotz alledem war es entsetzlich heiß, was Hannes mit dem 2. Spruch des Tages kommentierte: „Scheiiß die Wand an, ist das heiß!“, als er unser kühles Mobilchen in die glühende Hitze verließ. Als erstes schnappten wir unsere Sachen und hüpften in den Pool. Es gab einen „adult pool“ und einen „family pool“, wobei beide gleich pisswarm waren und wie Hannes feststellte war der adult pool auch nicht besonders „spannend“. Es gab sogar einen Whirlpool, als Jule allerdings den ersten Zeh reinstreckte, hüpfte sie auf und ab und rief: „Scheiße ist das heiß!“.  Danach machten wir uns auf in die Stadt, um Las Vegas „by night“ zu erkunden. Ein kurzer Fußmarsch in sengender Hitze zur imaginären Bushaltestelle stand uns bevor. Leider war die Bushaltestelle nicht besonders gut ausgeschildert, was zur Folge hatte, dass wir erst nachfragen mussten. Dann standen wir eine ganze Weile in der brütenden Hitze und warteten und warteten…  leider kam der Bus ganz und gar nicht nach dem Zeitplan, den wir an der Rezeption erhalten hatten. Dort hatte man uns gleich den Tipp gegeben lieber ein Taxi zu nehmen, wovon uns allerdings in jedem Reiseführer abgeraten wurde.
Wir waren alle ein wenig entnervt, da wir als (norddeutsch geprägte) Europäer die Hitze nicht gewöhnt waren. 35 Minuten später kam dann doch ein Bus, der zwar alle 100 m anhielt, in dem wir aber bei einem netten Busfahrer mit vermuteten Sonnenstich die Fahrkarten erstehen konnten. An der nächsten Bushaltestelle mussten wir raus und umsteigen. Der nächste Bus kam schnell und ruck zuck waren wir im „Zentrum“ und stiegen vor einem Laden namens Sugarland aus. Ab diesem Zeitpunkt besichtigten wir sehr viele Casinos. Als erstes das Paris, wo wir uns jeder einmal für ein Photo vor einen Spielautomaten setzten. Um uns herum standen Casinos wie das Excalibur, das Ceasar’s Palace (in dem Hangover spielt) und wir liefen bis zum Flamingo, welches das älteste Casino in Las Vegas ist. 















Über die Straßen ging es mit Brücken, auf die man mit Rolltreppen rauf und runter fahren konnte. Als nächstes sahen wir das Wasserfontänenspiel vor dem Bellagio an, welches von Celine Dion begleitet wurde – herrlich kitschig. Überall auf den Straßen fuhren Limosinen in schwarz, weiß und im Hummerformat. Auf den Bürgersteigen hatten viele Leute große, lange Plastebecher in der Hand, aus denen sie bunte smoothieartige Getränke schlürften. Wir wollten auch so was haben, das fanden wir auch schnell und bestellten für 22 $ einen Riesendrink mit Margarita – Füllung. Endlich was Kaltes. 


Nun schlenderten wir die Straße hinunter und tranken so schnell wie möglich, um es nochmal für 15 $– diesmal mit Erdbeer(= Leuna-Buna)-Wodka - auffüllen zu lassen.  Hunger plagte uns irgendwann und wir mussten uns zwischen dem „Panda Express“ und „Rockin‘ Tacko“. Mama und Papa trafen schließlich die Entscheidung für den mexikanischen Schnellimbiss und ich bestellte (wie bei Subways) einen Burrito. Da ich keine Ahnung von Burritos geschweige denn von den Zutaten hatte, entschied ich mich nach Lust und Laune gegen die schwarzen Bohnen und für die rote Soße… das war ein fataler Fehler. Ich weiß nicht mehr was es in dem 9 $ Abendbrot war, das wir uns teilten, aber als ich den ersten Bissen nahm, kam mir der Dampf aus den Ohren und Papa musste einer Stichflamme ausweichen, die ich ausspie. Es trieb einem die Tränen in die Augen (was für meinen Freund gerade die richtige Schärfe wäre, die er ohne Schulterzucken verschlungen hätte) und vor lauter Schärfe  schmeckte man auch kaum was. Aber nun war er schon mal da: „Aufessen!“ sagte Mama, „Das desinfiziert!“ Und so reichte ein Miniburrito locker für 4 Personen. Mexikanisch war damit für uns gegessen! ^^   Unsere „must – go“ – Läden auf der Seite waren eindeutig noch der M&M – Shop, das Harley Davidson Restaurant und das Hardrock Café. Vorbei an verschieden verkleideten Menschen ( sei es nun Hulk, Sylvester von Sylvester  und Tweety, Xena, Wonderwoman, Spiderman, Catwoman, Luigi von Super Mario, ein rosaner Affe, Bumble Bee von Transformers – natürlich deutlich kleiner- Elvis oder Ernie & Bert, die mit Elmo und dem Krümelmonster im Schlepptau winkend und vermutlich unglaublich schwitzend über die Bürgersteige watschelten. Gegen Trinkgelder durfte man sie fotografieren und so filmten wir sie nur. Im Hardrock Café erstanden wir T – Shirts und verloren Papa, der irgendwo rumstand und darauf wartete, dass wir vom Klo wieder kämen, wo wir aber nie waren. Der M&M – Shop erschlug einen mit tonnenweise bunten, künstlichen und natürlich überteuerten Schokolinsen und Schnickschnack. Gegen 22:00 Uhr hatten wir genug vom Glimmer-Glitzer und eigentlich schon die nötige Bettschwere erreicht. Ins OASIS waren es aber noch knapp 7 km. Die Buslinie von der Hinfahrt hielt schon lange nicht mehr an den Haltestellen. Schulbusse (warum immer die auch jetzt noch fuhren) sowieso nicht. Also Fußmarsch in Richtung Umsteigestation.  Darauf waren die amerikanischen Bürger nicht eingestellt. Und so gab es auch keine Bürgersteige. Nicht mal Straßenbeleuchtung. Wir waren die einzigen bei immer noch 35 Grad zu Fuß gehenden Trottel. Typisch Touri. Als an der Umsteigestelle auch kein nächtlicher Bus mehr zu erwarten war, winkten wir erschöpft doch ein Taxi heran. Der freundliche Taxifahrer fragte uns sofort, ob wir das Stück gelaufen waren, wir bejahten dies und kamen uns irgendwie blöd vor. Die typische Frage hier kam natürlich auch: Wo kommt ihr her? Als wir sagten wir kämen aus Deutschland und dazu noch Berlin fragte er sofort „Deutsch Demokratische Republik“? Natürlich was auch sonst J. Jedenfalls hat er uns nicht beschissen und uns für 9 $, die wir gerne gaben – hatte es uns doch eine weitere Stunde Fußmarsch erspart- direkt vor unserem Mobilchen abgesetzt. Dass wir danach alle wie tot uns Bett fielen erklärt sich von selbst. 

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