Samstag, 25. August 2012

Yosemite National Park


Diese Nacht war weniger schnarchfrei, aber zum Glück recht kühl und ansonsten ruhig. Bis direkt vor unserem (Jule’s!) Fenster eine Blauelster anfing ein morgendliches „Liedchen“ zu trällern, das heißt, lautstark und in kurzen Abständen zu krächzen. Mann, war das ein Spaß. Irgendwann wurde es dann hell und an Schlaf war nicht mehr zu denken. Unser erstes Frühstück im Freien wurde von künstlicher Marmelade, einem Acorn Woodpicker (Specht) und entsprechend echten Wespen begleitet. Bei unserem Glück wurde das Familienoberhaupt, was natürlich als einziges Mitglied dieser Familie eine Wespenallergie aufwies, auch unverzüglich gestochen! Natürlich hatte er – war es Wahnsinn oder Leichtsinn- kein Notfallset dabei. Was’n Traum! Zum Glück stand uns die Bierfirma Corona in gefrorener Flaschenform zur Seite, sodass die Hand nur auf die Größe von Hulk anschwoll.  Juchuuu, das war doch der gelungene Start in den Tag, auch ohne Knoppers! Wir räumten sofort ab und warteten noch ein bisschen, ob sich der Hausherr noch in ballonartige Ausmaße ausdehnte, dem war zum Glück nicht so, ein Hoch auf die Desensibilisierung! Für ihn war das natürlich die perfekte Ausrede zu jammern und sich jeder häuslichen Pflicht zu entziehen. Trotzdem wollten wir uns an unseren Tagesplan halten und fuhren nun in Richtung Yosemite Nationalpark.
Dort angekommen und 80 $ ärmer (für ein Jahresticket für alle Nationalparks) arbeiteten wir erst einmal jeden von Chinesen und Indern gesäumten Aussichtspunkt ab und picknickten an einer lauschigen Uferstelle des Merced River. 


Mächtige 1000 m hohe Granitwände und riesige Mammutbäume säumten das Yosemite – Valley der Sierra Nevada. Über allen Klippen thronte der El Capitan (2307 m) und  der Half Dome (2695 m) – so steht es im allwissenden Reiseführer geschriebenJ. Dank des günstig gewählten Wochentages (Samstag!), waren wir natürlich nicht die einzigen Schaulustigen. Obwohl das untertrieben ist, das Tal quoll über und wir bemühten uns in der Menge einen Parkplatz zu ergattern. Dies gelang uns auch, was allerdings mit einem von Papa gewählten Ausdruck bedacht wurde: „Ist jetzt scheißegal, wir bleiben hier stehen!“ (1. Spruch des Tages). Erst herrschte Unstimmigkeit über das Reiseziel, allerdings ordneten wir uns schnell unter, denn in der Sonne war es heiß. Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel – den Lower Yosemite Falls – wurde dieses Phänomen von Hannes mit dem 2. Spruch des Tages verziert. Er sollte auf einen Baumstumpf klettern und durch ein Loch gucken. Papa legte mit dem Fotoapparat an und nach einer Weile verlor Hannes die Nerven und sprach: „Hey mach hinne, die UV – Strahlung ist hier oben enorm!“
Zig Filmminuten von „Bäumen“ (Zitat Hannes, es waren Mammutbäume und Gelbkiefern), 10 fotografierte Chickarees (Streifenhörnchen), ein Steller’s Jay (irre blauer Vogel) und ein Mule Deer später gelangten wir zum dem im wahrsten Sinne berauschenden Lower Yosemite Fall. Hannes musste schon sehr zoomen, um die drei Tropfen Wasser für die Nachwelt festzuhalten. Da wir aber Wasser sehen wollten, entschlossen wir uns noch ein anderes Ziel zu suchen. Im Info – Point riet man uns vom Lake Mirror ab, da es weder einen Lake noch einen Mirror gebe und empfahl uns die Verna Falls. Dorthin fuhren wir erst einmal mit einem Shuttlebus, wobei wir anmerken möchten, dass sich amerikanische Busfahrer deutlich von deutschen unterscheiden. Während diese Dame hier freundlich „Einmal bitte bis nach hinten durchrücken, meine Lieben!“ ins Mikro flötete, hört sich das bei uns zu Hause eher so an: „Durschrücken! Duuuuuurschrüüüücken! Ey rückt dursch oda ick komm nach hinten!“ Schon ein Punkt für die amerikanischen Busfahrer. Wir stiegen mit vielen anderen Leuten am Punkt 16 aus, um uns auf den Weg zu den atemberaubenden Wasserfällen zu machen. Es sollte „sehr angenehm schattig am Fluss entlanglaufen“, allerdings hatten wir bald mit Steigungen von knapp 45 Grad zu kämpfen, das war nix für Leute mit Knieproblemen, da man auf dem Hinweg fast kroch und auf dem Rückweg fast von alleine den Berg herunter schlitterte. Nach einer Menge Schweiß, wieder vielen chinesischen und indischen Großfamilien (die kommen immer im Rudel!), und gefühlten 100 (nach Papa: „Fuck – a lot of!“)Treppenstufen (neben den glatten Strecken) erreichten wir staunend den Verna Fall, wo es diesmal wirklich Wasser gab und sogar Regenbögen im Sprühnebel schillerten. 


Als Gipfelbelohnung gab es die „Mongolei – erprobte“ und auch bei dieser Hitze nicht geschmolzene Alpenmichtafel von Herrn Ritter für unseren Sport. Nach vielen Fotos ging es nun bergab, wobei wir versuchten ein paar Grauhörnchen anzulocken, die dann hoffnungsvoll ihre kleinen Pfötchen nach uns streckten, es aber nichts für sie zu grabschen gab – arme Hörnchen, die werden da permanent von den Touris verarscht. Morgen bringen wir euch Mandeln mit, versprochen!


Die Rücktour ging schneller und nachdem wir unsere Füße im Fluß gekühlt hatten, stiegen wir mit diesmal verschwitzten Chinesen und Indern mit Kindern in den Bus und fuhren unserem Mobilchen entgegen. Hannes hätte ja gerne den 100.000 $ teuren Mustang gehabt, der neben unserem Schlachtschiff stand, aber wir lieben unser Mobilchen, das beim Wenden sogar Toreinfahrten niederreißen kannJ, wenn es das will. 

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